Ukraine zwischen Kampfeswille und Trauer: Wenn der Krieg zum Alltag gehört

 © Michael Bröcker

Im Osten des Landes tobt der Häuserkampf, in Butscha und Irpin wird neu aufgebaut. Und im Parlament ist der Ruf nach deutscher Hilfe ohrenbetäubend. Ein Besuch in der Ukraine.

Larissas Enkeltochter Mariia ist 8 Jahre alt. Und sie hat ein neues Wort gelernt: Javelin.

So heißen die kleinen Raketenwerfer, mit denen die ukrainischen Soldaten von der Schulter aus die feindlichen Panzer attackieren.

Der Krieg sei eben auch bei den Kleinen das Thema Nummer eins, sagt Larissa.

Larissa, blonde Haare, schwarzer Pullover, hat eine Tüte mit ein paar Lebensmitteln in der Nachbarschaft geschnorrt. Jetzt steht sie vor der Eingangstür zu dem, was mal ihr Wohnhaus war.

In Irpin, rund 25 Kilometer nordwestlich von Kiew haben die Russen besonders gewütet. Dutzende Wohnhäuser sind komplett zerstört.

Larissa war mit ihrer Tochter zur Großmutter aufs Land geflohen, kurz bevor sich der Krieg Irpin näherte. Jetzt wollte sie sehen, was nach dem Rückzug der russischen Truppen noch steht.

Larissa, eine Frau aus Irpin, die in ihre zerstörte Wohnung zurückgekommen ist. © Michael Bröcker

Nicht viel.

Die Wucht der im Nebengebäude eingeschlagenen Rakete hat die Fenster ihrer Wohnung im zweiten Stock zerspringen lassen und die Wasserrohre im Badezimmer aus der Wand gerissen. Die Fenster hat sie mit Textilien abgedeckt.

Nur das Fahrrad ist unbeschädigt.

“Wir haben nichts mehr”, sagt sie.

Zumal auch der kleine Lebensmittelladen, in dem sie arbeitete, zerstört ist und geplündert wurde.

“Ich bin jetzt auf Hilfe angewiesen. Wenn ich auf die Toilette muss, gehe ich hier hin.”

Sie zeigt auf ein aufgestelltes Dixie-Klo im Innenhof. Immerhin sind heute zwei Mitarbeiter der Stadtwerke da und reparieren die Gasleitungen.

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