Ampel: Merkel 5.0?

Guten Morgen,

man sollte bei dieser sich neu bildenden Regierungskoalition zwei Dinge auseinanderhalten: die Substanz und den Stil.

Der Stil ist modern bis lässig. Jeder kann, keiner muss, zum Beispiel Schlips oder Business-Kostüm tragen. Man spricht freundlich mit- und auch übereinander. Jeder respektiert erkennbar den anderen; keine Herabsetzung, nirgends. Wer die Fortsetzung des Wahlkampfes mit anderen Mitteln erwartet hatte, der wird eines Menschlicheren belehrt.

Hier sprechen Bürgersöhne und Bürgertöchter im Tonfall der Moderaten miteinander. Es wird gerungen, aber nicht gekeift. Man tauscht Fakten aus, keine Gemeinheiten. Die Argumente werden vorgetragen, aber nicht wie ballistische Raketen über den Verhandlungstisch hinweg abgefeuert, bis sie in den Medien schließlich detonieren.

Erkennbar hat man sich auf den gemäßigten Scholz-Ton verständigt. Das ist in Zeiten der vorsätzlichen Polarisierung keine Kleinigkeit. Der Demokratie wird in diesen Tagen ein Dienst erwiesen. Einerseits.

Andererseits zeigt sich die Demokratie einmal mehr von ihrer langsamen Seite. Alles, was jetzt so heldenhaft verhindert wurde – das allgemeine Tempolimit, die Vermögensteuer, die Erhöhung der Einkommensteuer – hat es auch unter Merkel nicht gegeben. Die Substanz einer neuen, über Merkel hinausgehenden Politik ist zwar größer als Null, aber kleiner als notwendig.

  • Die Aktienrente in Höhe von rund drei Prozent der jährlichen Rentenzahlung ist ein großer Schritt für die FDP, aber ein zu kleiner Schritt für die alternde Gesellschaft. Spätestens wenn die Babyboomer, also die Jahrgänge Scholz (1958) bis Steingart (1962) in den Ruhestand eintreten, wird die demografische Lücke die Zeitungsseite verlassen und in das praktische Leben der Republik eintreten.

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