BTW’21: Wer setzt die Agenda?

Guten Morgen,

es gibt zwei Irrtümer bezüglich der Bundestagswahl, die auch dann Irrtümer bleiben, wenn sie sich großer Beliebtheit erfreuen.

Die Spitzenpolitiker glauben innigst, Wahlen werden von der Persönlichkeit des Spitzenkandidaten entschieden. Deshalb das erbitterte öffentliche Ringen zwischen Laschet und Söder. Deshalb die nicht minder harte, nur eben verdeckte Auseinandersetzung zwischen Habeck und Baerbock, deren Verwundung der Unterlegene anschließend thematisierte.

Irrtum Nummer zwei erfreut sich vor allem im Funktionsapparat der politischen Parteien großer Popularität. Dort glaubt man, es komme auf das Wahlprogramm an. Die Programmgläubigen aller Parteien führen Religionskriege um Überschriften und Spiegelstriche in der heiligen Hoffnung, davon würden die Wahlchancen ihrer Truppe abhängen.

Doch in Wahrheit ist es eine dritte Zutat, die über Erfolg oder Misserfolg am Wahltag entscheidet: das Agenda-Setting. Dabei geht es um die Kunst und manchmal auch um die Heimtücke, das Leib-und-Magen-Thema der eigenen Klientel zur unverrückbaren Priorität des Landes zu erheben. Erst die Thermik der Agenda befördert den Spitzenkandidaten in jene luftige Höhe, in der Wahlsiege errungen werden. Oder praktisch gesprochen:

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