CDU: Kanzleramt a.D.

Guten Morgen,

erst mit Zeitverzögerung beginnt in der Union das Nachdenken über die Wahlniederlage und die zu ziehenden Schlussfolgerungen. Die Erkenntnis, dass es nach dieser Wählerschmelze kein Weiter-So geben kann, setzt sich durch – wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist ein Blitzmerker. Das Wahlergebnis habe eine Wechselstimmung gegen die CDU gezeigt, sagte er gestern. Ihm erschließe sich die Haltung des Adenauer-Hauses nicht, von einem Regierungsauftrag zu sprechen. Kretschmer wurde deutlicher als deutlich: Diese Linie liege genau auf dem Kurs, der zum Absturz der Union geführt habe.

Armin Laschet ist zur selben Erkenntnis unterwegs, wenn auch im Tempo einer Weinbergschnecke. Hier fünf Anmerkungen, die ihm bei der Beschleunigung behilflich sein könnten:

1. Alle demoskopischen Befunde deuten darauf hin, dass der CDU-Chef beim Bürgertum durchgefallen ist. Die Menschen mögen ihn, aber trauen ihm die Führung des Landes nicht zu.

2. Sein Verweis auf Helmut Schmidt, der trotz seiner Zweitplatzierung Kanzler wurde, führt in die Irre. Schmidt war ein Kraftwerk mit eigener Energieerzeugung. Laschet ist das Derivat fremder Mächte, die ihn aus Furcht vor dem CSU-Einmarsch auf den Schild hoben. Man tritt Laschet nicht zu nahe, wenn man feststellt: Er ist kein zweiter Schmidt, eher ein Schmidtchen.

3. Sein Verweis auf den fehlenden Amtsbonus – eine versteckte Kritik an Merkel, die ihm das hohe Staatsamt nicht angedient hat – führt in die Irre. Denn auch in NRW, wo er sich als Ministerpräsident genau diesen Amtsbonus hätte erwerben können, zog die SPD mit Sieben-Meilen-Stiefeln an ihm vorbei. In seinen Büchern steht: ein Amts-Malus.

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