Der barmherzige Immobilienkönig

Guten Morgen,

es gibt kaum eine Vorstandssitzung in Deutschland, in der nicht der moralisch wertvolle Satz fällt: Wir müssen den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Doch nach der Sitzung konkurriert der erhabene Anspruch mit den anderen unstillbaren Sehnsüchten der Unternehmung: denen nach Gewinn und Effektivität.

Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größter Wohnungsunternehmen Vonovia, die rund 36.000 vermietete Wohnungen allein im Raum Berlin besitzt und konzernweit einen Jahresumsatz von 4,4 Milliarden Euro erwirtschaftet, kennt das moralische Dilemma – und hat sich zugunsten seiner Mieter und gegen das kurzfristige Aktionärswohl entschieden.

Vonovia-Chef Rolf Buch © Jakob Hoff / imago images

Obwohl das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel kippte, wird Vonovia-Chef Rolf Buch den rechtlichen Anspruch auf die in den vergangenen Monaten zu wenig bezahlte Miete nicht eintreiben. Er erlässt seinen Mietern um des sozialen Friedens willen einen zweistelligen Millionenbetrag, der anderswo mit rabiaten Methoden eingefordert wird.

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