Grüne Doppelmoral

Guten Morgen,

Stefan Zweig war der große Meister der literarischen Resignation. Die Melancholie seiner Helden („Schachnovelle“, „Der Amokläufer“) war dem wahren Leben abgeschaut. Die politischen Akteure seiner Zeit haben ihn, den Pazifisten, interessiert, aber nicht verführt: „Wahrhaftigkeit und Politik wohnen selten unter einem Dach“, lautete seine bittere Erkenntnis.

Der Schriftsteller ging. Das Jahrhundert wechselte. Die Erkenntnis blieb.

Nach der Augenblicksgier, die Abgeordnete von CDU und CSU in den Wirren der ersten Pandemie-Wochen befiel, rücken nun die Grünen ins Scheinwerferlicht einer Öffentlichkeit, die ihre Gutgläubigkeit vor langer Zeit schon verloren hat. Das Licht wird verstärkt durch den Heiligenschein, den die Grünen sich selbst aufgesetzt haben. Der wirkt illuminierend auf sie zurück.

Annalena Baerbock © dpa

Was wir da sehen, sieht nicht schön aus. Alles begann mit einer Mitteilung aus der grünen Parteizentrale. In dieser hieß es am Mittwoch: Frau Baerbock habe im März 2021 Sonderzahlungen für die Jahre 2018 bis 2020 „eigenständig nachträglich der Bundestagsverwaltung gemeldet, nachdem ihr und der Bundesgeschäftsstelle der Partei aufgefallen war, dass dies versehentlich noch nicht erfolgt war“.

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