Grüner Ton: Botschaft oder Befehl?

Guten Morgen,

es gibt in den politischen Parteien zwei Lager. Die einen glauben, Wahlen würden mit einem aussagekräftigen Programm gewonnen. Die anderen sind überzeugt, eine imposante Persönlichkeit an der Spitze bringe den entscheidenden Unterschied.

Ich gehöre zu einer dritten Gruppe, von der ich gar nicht weiß, ob sie schon eine Gruppe ist. Ich glaube, dass der Ton die Wahl entscheidet.

Die Tonalität − das gilt auch für den heute beginnenden Parteitag der Grünen − gibt Auskunft darüber, wer die Spitzenkandidatin wirklich ist. Intoniert da jemand das Eigene oder wird nach fremden Noten gespielt? Werde ich wahrhaftig informiert, und falls ja, auch über Fehler? Ist das Wort Schuld eine ethische Kategorie oder doch nur ein politischer Kampfbegriff? Gilt Toleranz auch für den anders Denkenden, den anders Sprechenden und den anders Lebenden − oder nur für mich und meine Lifestyle-Freunde?

Annalena Baerbock © dpa

In einer Welt, die sich beschleunigt, die sich virtualisiert und teilweise auch brutalisiert, verspricht Wahlerfolg nur ein Grundton, in dem das Aufrichtige seinen Platz hat; ein Ton, der im Wissen um die Hyperkomplexität unserer Zivilisation das Widerwort und den gegenläufigen Gedanken nicht nur zulässt, sondern zum Näherkommen einlädt. Neugier ist die klügste Form einer Überforderung zu entgehen.

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