Wirtschaftsweise plädiert für Impfpflicht

Guten Morgen,

die gesellschaftliche Polarisierung hat den Rat der Wirtschaftsweisen erreicht. Das im Moment aus vier Mitgliedern bestehende Gremium kann sich in wichtigen Fragen nicht mehr auf eine Weltsicht verständigen. Den wenigen Gewissheiten stehen fundamentale Meinungsunterschiede gegenüber.

Hier die zwei wichtigsten Festlegungen, die man gemeinsam getroffen hat:

  • Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte das Vorkrisenniveau aus dem 4. Quartal 2019 im Verlauf des 1. Quartals 2022 wieder erreichen. Ab dann geht es weiter aufwärts: Die Volkswirtschaft in Deutschland soll schneller als im übrigen Europa wachsen, um stolze 4,6 Prozent.

Eine Infografik mit dem Titel: Deutschland: Zurück zur Normalität?

Zukünftige Entwicklung Deutschlands anhand der Prognose des Sachverständigenrates für 2021 und 2022

  • ​​Bei der Inflation erwarten die Wirtschaftsweisen für Deutschland im nächsten Jahr einen Anstieg von 2,6 Prozent. Hauptpreistreiber: die Energiepreise.

Eine Infografik mit dem Titel: Erdgas: Die Preisexplosion

Preise für Erdgas und Lebensmittel weltweit, indexiert und Ölpreis in Dollar je Barrel

Ab dann wird es kontrovers:

Professorin für Volkswirtschaft, Veronika Grimm © dpa

  • Die Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer und Achim Truger ermuntern zu einer Schuldenpolitik, die sich diverser Schattenhaushalte bedient und nicht der Schuldenbremse unterliegt. Die Wirtschaftsweisen Veronika Grimm und Volker Wieland lehnen das ab und raten zur Sparsamkeit:

Es gilt, konjunkturell gute Zeiten zu nutzen, um hohe Schuldenquoten abzubauen.

  • Schnitzer und Truger finden es richtig, dass der Maastricht-Vertrag mit seinen detaillierten Schuldenobergrenzen de facto außer Kraft gesetzt wurde – und es auch dabei bleibt. Es sei sehr problematisch, die hoch verschuldeten Staaten zum Schuldenabbau zu zwingen. Sie fürchten Wachstumseinbußen, wenn Italien & Co ihre Kredite zurückführen. Grimm und Wieland argumentieren anders:

Die krisenbedingt in Anspruch genommene Ausnahmeklausel sollte angesichts des prognostizierten Wirtschaftswachstums spätestens im Jahr 2023 nicht mehr angewendet werden, sodass die Mitgliedstaaten die normalen Grenzen der Fiskalregeln wieder einhalten.

  • Grimm und Wieland betonen die bedeutende Rolle privater Investitionen innerhalb einer Marktwirtschaft und auch beim nun anstehenden Transformationsprozess. Schnitzer und Truger halten dagegen und fordern eine dauerhaft höhere Kreditfinanzierung „zukunftsbezogener Ausgaben“ über einen staatlichen Investitionsfonds. Der Staat ist für sie nicht der Schiedsrichter, sondern der Mitspieler.

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