Staatsversagen als neue Normalität

Guten Morgen,

die Medien huldigen einem „Kult der Kurzfristigkeit“, schrieb unlängst der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen in der „Süddeutschen Zeitung“. Er sprach vom „Stichflammen-Spektakel“ und dem „Gefangensein im Moment“. Wir erleben, meinte er, „die Verdrängung des Wichtigen durch das bloß Spektakuläre, Grelle und Banale, das in betäubender Intensität über unsere Bildschirme flimmert.“

Man wünschte sich, es handele sich hier um eine Polemik. Aber das tut es nicht. Der Mann hat mit seiner Philippika mehr recht, als unserer Gesellschaft gut tut.

Wir schauen mit Tränen der Wut und der Trauer auf den Flughafen von Kabul, wo unsere Freunde vergeblich auf unsere Freundschaft warten. Wir sind gefangen im Moment.

Wir schauen auf den adrettesten Außenminister der Welt und sein engmaschiges Netz von Botschaftern und Geheimdienstlern, die nichts hörten und nichts fühlten. Erst als die Taliban in der Tagesschau an ihm vorbeimarschierten, nahm er Notiz.

Heiko Maas © dpa

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