Olaf Scholz: Die Zauderliese

Ermordete Person im Raum Kiew © dpa

Guten Morgen,

die Gräueltat von Butscha verändert zuerst die Wahrnehmung des Krieges und dann – womöglich – auch den Kriegsverlauf selbst:

Über 410 Zivilisten wurden nach ukrainischen Angaben in der Kleinstadt Butscha 25 Kilometer nordwestlich von Kiew ermordet. Nach dem Abzug der russischen Armee fand man ihre Leichen überall verstreut, den vom Fahrrad geschossenen Mann, die Frau, die eben noch ihre Kartoffeln die Dorfstraße entlang trug, den Jungen, der neben seinem Vater im Auto saß, bevor sein junges Leben beendet wurde. Teilweise waren die Toten gefesselt, viele wurden offenbar per Kopfschuss hingerichtet.

Vitali Klitschko © imago

Es ist wie in einem Horrorfilm, sagte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko bei der gespenstisch anmutenden Ortsbegehung:

Die russischen Soldaten haben eine Safari auf Zivilisten veranstaltet.

Die internationale Politik wurde durch das Ereignis aus ihren Routinen gerissen:

  • Joe Biden verschärfte den Ton. Der US-Präsident forderte, den russischen Staatschef Wladimir Putin wegen Kriegsverbrechen vor Gericht zu stellen. „Er sollte zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Biden im Garten des Weißen Hauses.

  • Auch der französische Präsident Emmanuel Macron forderte, dass Russland vor der internationalen Justiz wegen Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen werden müsse.

  • Wolodymyr Selenskyj warf Moskau „Völkermord“ vor und spricht von unfassbaren Gräultaten der russischen Armee:

Warum wurden gewöhnliche Zivilisten in einer friedlichen Stadt zu Tode gefoltert? Warum wurden Frauen erdrosselt, nachdem sie ihnen die Ohrringe abgerissen hatten? Wie konnten sie Frauen vor den Augen der Kinder vergewaltigen und töten? Ihre Körper auch nach ihrem Tod verspotten? Warum haben sie die Körper von Menschen mit Panzern überfahren? Was hat Butscha ihrem Russland getan?

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