Zeitenwende: Die Politisierung der Weltwirtschaft

Guten Morgen,

dieser europäische Krieg dürfte unser Verständnis von Wirtschaft grundlegend verändern. Der Satz des ehemaligen FDP-Wirtschaftsministers Günter Rexrodt, Wirtschaft finde in der Wirtschaft statt, wird in diesen Tagen ungültig gestempelt. Auch die Haltbarkeit des von US-Präsident Calvin Coolidge verbreiteten Bonmots – the business of America is business – scheint abgelaufen.

Die Globalisierung tritt in eine neue Phase. Sie politisiert sich.

Deutschland ist in diesem Prozess Täter und Opfer zugleich. Wir nutzen die Handelsbeziehungen selbstbewusst als Waffe (gegen den Aggressor Putin), als Volkserzieher (für alle Klimasünder) und wir erleben unsere Energieimport-Sucht als nervtötende Abhängigkeit von Moskau. Die im volkswirtschaftlichen Proseminar gelehrte Idee vom Freihandel, der im globalen Spiel von Angebot und Nachfrage die Waren und die Dienstleistungen wie von Zauberhand zueinander finden lässt, bildet nicht mehr länger den Fixstern unserer Überzeugung. Die Globalisierung hat in Zeiten von Klimakatastrophe und Krieg ihre Unschuld verloren.

Das Wirtschaftliche ist politisch und das Politische hat eine wirtschaftliche Bedeutung bekommen. Die liberale Wirtschaftsordnung wird nicht aufgegeben, aber sie wird neu definiert.

Lädt...