Ukraine-Krieg: Kanzler & Kommunikation

Guten Morgen,

den Ratschlag, er müsse mehr kommunizieren, hat Olaf Scholz angenommen. Aber er hat ihn noch nicht in Gänze verstanden.

Kommunizieren bedeutet nicht, sich ins Fernsehen zu setzen und möglichst viele Worte miteinander zu verketten.

Kommunizieren bedeutet auch nicht, sein Publikum am 1. Mai anzuschreien oder die Interviewer vom ZDF anzublaffen. Olaf Scholz macht derzeit so ziemlich alles falsch, was man kommunikativ falsch machen kann. Hier seine größten Fehler:

1. Er versteckt sich. Er spricht nicht in der Absicht, seine wahren Motive und Beweggründe offen zu legen. Er spricht in der Absicht, sich zu verstecken, weshalb Bandwurmsätze und Floskelsprache die Mittel seiner Wahl sind. So fördert er das vorsätzliche Nichtverstehen.

Olaf Scholz spricht auf der DGB-Veranstaltung am 01.05.2022. © imago

2. Er kommuniziert keine persönliche Grundhaltung, sondern politische Positionen, die – das liegt im Wesen des Politischen – ständig in Bewegung sind. Deshalb werfen seine Worte in den Köpfen der Zuhörer auch keine Anker. Man fühlt, hört und sieht, da ist nichts Festes, sondern etwas Fluides. Der Anker von Olaf Scholz schleift über den Meeresgrund.

3. Er verzichtet auf die Kraft der Bilder. Er ist in Tokio, wo man ihn in Kiew erwartet. Er ist als Wahlkampfredner auf dem Marktplatz, wo man ihn sich beim Besuch eines Bundeswehrbataillons oder zur Ortsbegehung beim Gas-Abnehmer BASF gewünscht hätte. Er sitzt in seinem Kanzleramt wie eingebunkert und lässt Millionen Bürger im Lande emotional verhungern.

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