Der neue Stellvertreterkrieg: Lexikon des Kalten Krieges

Guten Morgen,

wir glaubten, der Kalte Krieg und die Blockkonfrontation seien Geschichte. Wir hatten uns angewöhnt, die damaligen Zustände der vorsätzlichen Feindseligkeit zwischen Ost und West wie eine prähistorische Versteinerung zu betrachten, als eine Sedimentablagerung im Ozean der Weltgeschichte.

Nun müssen wir zur eigenen Überraschung feststellen: Die Versteinerung lebt. Die unterste Sedimentschicht wurde über Nacht nach oben gewirbelt. Geschichte vergeht nicht.

Vielleicht sollten wir das Wörterbuch des Kalten Krieges den Antiquariaten entreißen und es in die Jetztzeit übersetzen. Die erstarrten Begriffe von damals sind hilfreich beim Verstehen unserer Gegenwartsprobleme:

Dominotheorie: Damit war die Einschätzung verbunden, die Sowjetunion wolle ihre sozialistische Ideologie bis tief in die westliche Hemisphäre hineintreiben. Man müsse unbedingt verhindern, dass der erste Stein kippt, weil dann weitere Steine ebenfalls kippen würden. Die Steine waren Staaten und hießen Vietnam, Angola, Korea, Kuba und Afghanistan.

 © Imago

Die Ländernamen wechselten, die Theorie blieb. Die Krimbesetzung im März 2014 war der erste Stein, dessen Umfallen Putin ermunterte, nunmehr an der Ukraine zu kippeln. Fällt dieser Staat mit seinen 40 Millionen Einwohnern den Russen in die Hände, würden womöglich weitere Steine umfallen: Die Republik Moldau, das schon heute wackelige Weißrussland sowie das militärisch schwachbrüstige Baltikum.

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