Wahl in Frankreich: Macron & die französische Leitkultur

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Emmanuel Macron hat noch nicht gesiegt, aber er hat die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen gewonnen. Doch seine Revitalisierung, die gestern deutlich zu spüren war, reicht über den Wahltag und reicht über Frankreich hinaus.

Denn nach den operettenhaften Vorgängern Nicolas Sarkozy und François Hollande – die man schon deshalb nicht ernst nehmen konnte, weil sie sich selbst so ernst nahmen – ist es Macron gelungen, in Europa eine französische Leitkultur zu etablieren.

Keiner der anderen Staats- und Regierungschefs hat der europäischen Politik – in Brüssel, in Straßburg und in Frankfurt – so erfolgreich seinen Stempel aufgedrückt wie er. Derweil die anderen Spitzenpolitiker ihr Geschäft der Gipfeldiplomatie im rasenden Stillstand als eine Art perpetuum l'immobilité betreiben, ist bei Macron ein ewiges Wollen mit angeschlossenem Werden zu beobachten.

Emmanuel Macron © dpa

Deshalb scheint es angebracht, die zwei Wochen zwischen der gestrigen Präsidentschaftswahl und der Stichwahl zu nutzen, um die wichtigsten Vokabeln dieser französischen Leitkultur zu lernen:

Planification: Der Staat sieht sich nicht länger als geflissentlicher Diener seiner Bürger, sondern als ihr Platzanweiser und Beschleuniger, als ihr mit göttlicher Weitsicht planender Vormund. Man könnte den Vorgang auch als Teil einer Emanzipationsgeschichte begreifen: Der Diener ist zum Herrn aufgestiegen.

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