Social Media im Krieg: Putins überlegener Gegner

Guten Morgen,

es ist an der Zeit, die sozialen Medien zu rehabilitieren. Neben all dem faktischen Unfug und der Überdosis an Bösartigkeit, die hier täglich verspritzt wird, zeigen sie uns in dieser Situation das, was kein Fernsehsender uns zeigt: die unmittelbare Rohheit des Krieges.

Die Berichterstattung von unten funktioniert. Wir sehen Bilder aus der Entbindungsstation in Mariupol, hören die Monotonie der Raketenwerfer vor den Toren von Kiew und schauen zu, wie die kleine Amelia im Luftschutzbunker das Lied „Let it Go“ aus dem Disney-Film „Frozen“ anstimmt.

Kinderkrankenhaus in Mariupol, das von russischen Bomben getroffen wurde. © Credit: Twitter / @StimmeUkraine

Es geht hier nicht um Voyeurismus. Es geht um Journalismus als Prinzip der Wahrheitsfindung. Wir sind nicht mehr allein angewiesen auf die Depeschen der Militärs, auf die Propaganda der verschiedenen Kriegsparteien und die Ferndiagnose pensionierter Generäle in deutschen TV Studios. Putin spricht. Und die Ukrainer widersprechen. Und sie werden laut und immer lauter.

In der Business Class Edition finden Sie an dieser Stelle die Infografik Im Zeichen des Widerstands - Anzahl der Twitter-Posts #StandWithUkraine in den letzten 30 Tagen.

Anders als die meisten der internationalen Fernsehgesichter, die sich, als es ungemütlich wurde, aus dem Kriegsgebiet in ihr Hotelzimmer zurückgezogen haben, sind die Reporter des wahren Lebens vor Ort geblieben. Sie sitzen im Luftschutzbunker. Sie haben sich in den noch nicht zerstörten Teil ihrer Wohnung begeben. Sie sind auf der Flucht. Sie sind im Widerstand. Sie sind mal laut, mal subversiv. Sie sind eine Guerilla-Armee der Kriegsbetroffenen, die bewaffnet mit Handy, Webcam und Laptop die Schlacht ihres Lebens schlagen.

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