Abhängigkeit von russischer Energie: Die wirkungsvollsten Sanktionen können wir nicht einsetzen

Putins größter Trumpf: Die Öl- und Gasvorräte. Vorräte, von denen der Westen abhängig ist. Deshalb werden aus Angst um die eigene Wirtschaft wichtige Sanktionen zurückgehalten. Wie es dazu kommen konnte, analysiert The Pioneer Expert Dr. Patrick Weber.

Bei Diskussionen über die Effektivität von Wirtschaftssanktionen – der prominentesten Frage in medialen, politischen und wissenschaftlichen Debatten zu diesem Thema – wird ein Zusammenhang oft vernachlässigt:

Die effektivsten Sanktionen werden aufgrund von wirtschaftlichen Interessen oft gar nicht erst verhängt.

Staats- und Regierungschefs wollen die Effekte auf ihre eigene Wirtschaft möglichst gering halten. Daher versuchen sie, Sanktionen entweder zu vermeiden oder Instrumente zu wählen, die weniger schlagkräftig sind. Während wirtschaftliche Erwägungen Sanktionen gegen Russland im Russisch-Georgischen Krieg 2008 etwa von vornherein verhindert haben, führten sie im Konflikt um die Krim und die Ostukraine im Jahr 2014 zu sehr milden Maßnahmen. Mit dem aktuellen Sanktionsregime gegen Russland lernt die Politik eine wichtige Lektion: Wirtschaftlicher Druck kann nicht ohne eigene Einschnitte aufgebaut werden.

Etwa 850 Menschen verloren ihr Leben und bis zu 3.000 Menschen wurden verletzt. Das sind die Opfer des russisch-georgischen Krieges im Jahr 2008: Das russische Militär marschierte in Georgien ein und Russland erkannte die Unabhängigkeit der Provinzen Abchasien und Südossetien an. Der damalige französische Außenminister, Bernard Kouchner, drohte anlässlich eines Krisengipfels des Europäischen Rates mit Wirtschaftssanktionen. Doch obwohl sich Russland weigerte, seine Truppen zurückzuziehen, wurden diese Sanktionen nicht verhängt. Einige EU-Mitgliedsstaaten wollten die wirtschaftlichen Beziehungen zu Moskau nicht gefährden.

Auch die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich gegen Sanktionen aus.

 © dpa

Pioneer Expert, Unternehmensberater für die Brunswick Group
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