Gastbeitrag von Kira Vinke & Tim Bosch: Klimaschutz gehört ins außenpolitische Alltagsgeschäft

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In Glasgow ringt die Staatengemeinschaft um Antworten auf die Klimakrise. Doch es reicht nicht mehr aus, Klimapolitik auf Klima-Gipfeln zu verhandeln. Klimaschutz muss überall da vorangetrieben werden, wo deutsche und europäische Außenpolitik stattfindet.

Die laufenden Verhandlungen der 26. Weltklimakonferenz in Glasgow stehen zu Recht wie wohl kaum ein Klimagipfel zuvor unter Beobachtung der Öffentlichkeit. Nach einer coronabedingten Pause und vorherigen Blockaden durch die US-amerikanische Trump-Administration gibt es viel aufzuholen.

Mit den bisherigen nationalen Beitragszielen für Emissionsminderungen („Nationally Determined Contributions“, NDCs) werden nicht mal annähernd die Pariser Temperaturgrenzen von 1,5 bis 2 Grad Anstieg der globalen Mitteltemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Temperaturniveau gewahrt werden können.

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Auch die Klimafinanzierung ist unzureichend. Industriestaaten kommen ihrer Zusage bisher nicht nach, jährlich 100 Milliarden US-Dollar aufzubringen, um Entwicklungsländern grünes Wachstum und Anpassung an Klimafolgen zu ermöglichen. Nicht zuletzt geht es nun auf der 26. COP darum, sich auf ein einheitliches Regelwerk zur Berechnung von Emissionen zu einigen.

Angesichts unentwegt steigender CO2-Konzentration in der Atmosphäre und immer gravierenderer Stürme, Fluten und Dürren ist das ein fast anachronistisches Ziel. Allerdings sind die komplexen Aushandlungsprozesse, bei denen fast 200 Staaten mit verschiedenen Wohlstandsniveaus, Interessen und Prioritäten Kompromisse finden müssen, zentral für ein globales Gemeinverständnis der Klimakrise und ihrer Bekämpfung. Die Verhandlungen sind der Moment, bei dem auch die Öffentlichkeit Klimaschutz und Außenpolitik verbunden sieht.

Doch auch wenn ein Gelingen der Verhandlungen angesichts der Bedrohungslage von großer Bedeutung ist, wäre es unzureichend, internationale Klimaschutzbemühungen auf diese Gipfeldiplomatie zu beschränken. Selbst die überraschenden Netto-Null-Emissionsziele von Saudi-Arabien (bis 2060) und Indien (bis 2070) sind keine ausreichenden Signale, solange sich keine ernsthafte Kehrtwende in der globalen Emissionskurve abzeichnet.

Das Ziel, illegale Entwaldung bis 2030 zu stoppen, grenzt an Zynismus, bedeutet es doch im Umkehrschluss die Fortsetzung von Entwaldung für eine weitere Dekade. Aktivistinnen und Aktivisten, die größtenteils völlig ausgeschlossen sind vom Verhandlungsgeschehen, sind zumindest nicht bereit, die Ablenkungsmanöver vom internationalen Versagen zu feiern.

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