Große Nationen scheitern selten an einem einzigen Fehler. Sie verlieren ihre wirtschaftliche Stärke schleichend durch eine Kette strategischer Fehlentscheidungen, die für sich genommen beherrschbar erscheinen, in ihrer Summe jedoch die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft untergraben.
Genau solche Fehlentscheidungen hat Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren getroffen – und, wie es uns Deutschen oft zu eigen ist, mit bemerkenswerter Konsequenz umgesetzt.
Ist Deutschland deshalb verloren? Mitnichten. Wir verfügen noch immer über eine außergewöhnlich starke industrielle Basis, exzellente Universitäten, leistungsfähige Forschungseinrichtungen, hervorragend ausgebildete Ingenieure und weltweit erfolgreiche Unternehmen. Kaum eine Volkswirtschaft besitzt vergleichbare Voraussetzungen für langfristigen Wohlstand.
Es gibt deshalb keinen Grund für Untergangsszenarien – weder von ganz links noch von ganz rechts. Es gibt aber allen Grund, die Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre ehrlich zu benennen und dort, wo sie unseren Wohlstand gefährden, eine strategische Kehrtwende einzuleiten.
Eine Infografik mit dem Titel: Wirtschaft: Deutsche weiter pessimistisch
Umfrage: Die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland werden sich..., in Prozent
Wir haben Regulierung häufig über Innovation gestellt. Wir haben industrielle Stärken vorschnell aufgegeben, ohne gleichwertige Wertschöpfung aufzubauen. Wir haben Energie verteuert, den digitalen Fortschritt erschwert und gleichzeitig den Anspruch formuliert, technologisch souverän zu werden.
Die gute Nachricht lautet: Strategische Fehlentscheidungen lassen sich korrigieren. Voraussetzung ist allerdings, sie zunächst als solche zu erkennen.
Beginnen wir mit Europa
Die Europäische Union ist für Deutschland als Mittelmacht keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Europa, sondern welches Europa.
Die politische Erzählung der vergangenen Jahrzehnte lautete, eine immer tiefere Integration sei alternativlos. Die Folge war eine stetige Verlagerung politischer Macht nach Brüssel. Diese Entwicklung hat sich zunehmend von der demokratischen Kontrolle der Bürger entfernt.
Dass viele Europäer hierfür ein feines Gespür besitzen, zeigte bereits das „Nein“ der Franzosen und Niederländer zur EU-Verfassung im Jahr 2005. Statt innezuhalten, reagierte die Politik mit immer mehr Regulierung, Marktsteuerung und Detailvorschriften. So gewinnt man keine Wettbewerbsfähigkeit – sondern verliert Vertrauen.
Die Europäische Union muss sich wieder auf jene Aufgaben konzentrieren, die sie besser lösen kann als ihre Mitgliedstaaten. Dazu gehören vor allem fünf Projekte:
Vollendung des europäischen Binnenmarktes.
Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse.
Vollendung der Bankenunion.
Neue internationale Handelsabkommen.
Eine gemeinsame europäische Plattformstrategie für Entwicklung, Beschaffung und Standardisierung militärischer Systeme.
Allein diese fünf Aufgaben würden die europäischen Institutionen auf Jahre sinnvoll beschäftigen.
Der Binnenmarkt ist nämlich bis heute keineswegs vollendet. Unterschiedliche technische Standards, Zulassungsverfahren und regulatorische Anforderungen erschweren gerade in den Bereichen Digitalisierung, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen und Energie den grenzüberschreitenden Wettbewerb.
Insbesondere ohne die Bankenunion können wir viele der hervorragenden Start-ups in der Skalierung in Europa schwer begleiten. Sie werden dann leicht von US-amerikanischen Unternehmen aufgekauft.
Während US-amerikanische und chinesische Unternehmen auf riesigen Heimatmärkten skalieren können, müssen europäische Unternehmen noch immer 27 unterschiedliche regulatorische Realitäten berücksichtigen.
Der wichtigste Wachstumsmotor Europas liegt deshalb nicht außerhalb Europas – sondern innerhalb.
Eine Infografik mit dem Titel: Europas Banken: Im Aufwärtstrend
Entwicklung ausgewählter europäischer Bankaktien und des Sektorindex Euro Stoxx Banks seit 2023, Werte indiziert
Bürokratieabbau beginnt in Brüssel
Seit Jahren versprechen Bundes- und Landesregierungen den Abbau von Bürokratie. Gleichzeitig entsteht in Brüssel fortlaufend neue Regulierung. Solange dieser Strom nicht versiegt, bleibt jeder nationale Bürokratieabbau Stückwerk. Weitere 10.000 Regulierungen stehen im Parlament zur Entscheidung an.
Berlin kann Vorschriften streichen. Brüssel ersetzt sie wenig später durch neue. Deshalb muss die Reihenfolge umgekehrt werden: Zuerst muss die europäische Regulierungsflut gebremst werden. Erst dann kann Bürokratie dauerhaft reduziert werden.
Kaum ein Bereich zeigt die Folgen strategischer Fehlsteuerung deutlicher als die Automobilindustrie. Deutschland war über Jahrzehnte Weltmarktführer – nicht allein wegen seiner Marken, sondern weil hier einzigartige industrielle Kompetenz entstanden ist: Motorenentwicklung, Werkstofftechnik, Präzisionsfertigung, Maschinenbau, Zuliefernetzwerke sowie exzellente Forschung und Ingenieurausbildung.
Solche Kompetenz entsteht über Jahrzehnte. Genau deshalb sollte man sie nicht leichtfertig politisch entwerten. Genau das ist jedoch mit dem europäischen Verbrennerverbot geschehen. Damit endet nicht nur die Weiterentwicklung einer einzelnen Technologie. Es droht der Verlust eines gesamten industriellen Kompetenzfeldes. Zehntausende hochqualifizierte Ingenieure werden ihre Perspektiven dort suchen, wo Verbrennungstechnologie weiterhin entwickelt wird.
Während Europa diesen Bereich aufgibt, investieren andere Länder gezielt weiter. China präsentierte jüngst einen Dieselmotor mit einem Wirkungsgrad von 48,2 Prozent – ein neuer Spitzenwert. Technologische Führerschaft entsteht dort, wo weiter investiert wird, nicht dort, wo Entwicklung politisch beendet wird.
Eine Infografik mit dem Titel: Produktionskosten: Teures Deutschland
Arbeitskosten pro Auto nach Produktionsland, in US-Dollar*
Europas größte industriepolitische Wette
Es gibt gute Gründe, auch auf Elektrofahrzeuge zu setzen: dort sind die Total Cost of Ownership (TCO) günstiger, nicht nur auf kurzen Strecken wie etwa im Stadtverkehr. Sie sind effizienter, wartungsarmer und damit wirtschaftlicher. Industriepolitik endet jedoch nicht beim Fahrzeug, sondern beginnt bei der Wertschöpfungskette.
Und genau dort liegt Europas strategisches Problem: Der entscheidende Bestandteil eines Elektroautos ist die Batterie – und bei Lithium-Ionen-Batterien kontrolliert China heute rund 70 Prozent der weltweiten Wertschöpfung.
Europa hat seine Industriepolitik damit auf genau jene Technologie ausgerichtet, bei der China bereits heute die stärkste industrielle Position besitzt. Damit geraten wir sowohl in eine gefährliche Abhängigkeit als auch in eine nahezu aussichtslose Wettbewerbsposition. Der Erfolg chinesischer Hersteller ist keine Überraschung, sondern die logische Folge der einseitigen Entscheidung für den Elektroantrieb in Europa. Eine technologieoffene Industriepolitik hätte Emissionsziele definiert, nicht jedoch den technologischen Gewinner politisch festgelegt. Innovation entsteht im Wettbewerb – nicht im Gesetzblatt.
Die strategische Kehrtwende lautet deshalb: Technologieoffenheit muss wieder zum Leitprinzip europäischer Industriepolitik werden. Der Staat sollte Ziele definieren, nicht Technologien auswählen. Ob Batterie, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe oder hocheffiziente Verbrennungsmotoren – entscheiden sollte der Markt.
An der Tanke © ImagoEnergie ist heute der wichtigste Wettbewerbsfaktor
Noch gravierender sind die Folgen der Energiepolitik. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist richtig und unverzichtbar. Problematisch ist jedoch die Annahme, eine Industrienation könne kurzfristig vollständig auf wetterabhängige Energiequellen umstellen, ohne erhebliche finanzielle Belastungen zu verursachen. Die daraus entstehenden Systemkosten schlagen sich heute in Netzentgelten, Reservekapazitäten und hohen Strompreisen nieder.
Deutschland benötigt weiterhin Kohlekraftwerke. Gleichzeitig entstehen Windparks, Solaranlagen, neue Netze und Speicher. Weil das allein nicht ausreicht, sollen zusätzlich rund zwanzig neue Gaskraftwerke gebaut werden.
Damit finanzieren wir dauerhaft zwei parallele Energieinfrastrukturen: eine erneuerbare und eine konventionelle Reserve. Beide müssen jederzeit verfügbar sein, werden jedoch jeweils nur teilweise ausgelastet.
Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch: Deutschland verbietet Fracking weitgehend im eigenen Land, importiert aber Fracking-Gas aus den USA. Strategisch konsistent ist das nicht. Deutschland zählt bereits heute zu den Ländern mit den höchsten Energiepreisen Europas. Für private Haushalte ist das belastend. Für die Wirtschaft ist es ein struktureller Wettbewerbsnachteil.
Denn Energie ist längst nicht mehr nur ein Produktionsfaktor für Chemie oder Stahl. Sie ist der Rohstoff der digitalen Wirtschaft. Wer heute über Energie spricht, spricht über Rechenzentren. Jede Anfrage an ChatGPT, jede Videokonferenz, jede Suchanfrage und jede industrielle KI-Anwendung endet letztlich in einem Rechenzentrum – und Rechenzentren gehören zu den größten Stromverbrauchern überhaupt.
Microsoft, Amazon, Google, Meta, OpenAI und xAI investieren deshalb Hunderte Milliarden Dollar in neue Infrastruktur. Über 400 Hyperscale-Datencenter sind weltweit geplant oder bereits in Bau. Wer die leistungsfähigsten KI-Systeme entwickeln will, braucht vor allem eines: enorme Mengen günstiger und jederzeit verfügbarer Energie.
Hier verliert Europa den Anschluss. Die Schwarz-Gruppe zeigt, dass es auch in Europa geht, aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Während die Vereinigten Staaten ihre Stromerzeugung ausbauen und Genehmigungen beschleunigen, diskutieren wir noch darüber, ob zusätzliche Rechenzentren überhaupt erwünscht sind. So entsteht keine Technologieführerschaft.
Eine Infografik mit dem Titel: USA: KI-Infrastruktur boomt
Anzahl der Rechenzentren in den USA und in Deutschland im Mai 2026
Die strategische Kehrtwende lautet deshalb: Energiepolitik muss wieder Standortpolitik werden. Erneuerbare Energien müssen ausgebaut werden – ergänzt durch Speicher, moderne Atom- und Gaskraftwerke sowie einen beschleunigten Netzausbau. Der Betrieb des Energiesystems sollte nicht auf ideologischer Reinheit basieren, sondern auf Zuverlässigkeit, Kosten und der Fähigkeit, wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen.
Europa reguliert Zukunftstechnologien, statt sie hervorzubringen
Europa will bei den Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts weltweit eine führende Rolle spielen. Tatsächlich entstehen die entscheidenden Innovationen längst anderswo. Die führenden KI-Modelle stammen aus den USA. Die modernsten Chips kommen von Nvidia. Die größten Cloud-Plattformen betreiben Amazon, Microsoft und Google.
Europa hingegen verfügt mit DSGVO, Digital Markets Act, Digital Services Act und AI Act über eines der umfassendsten Regelwerke der Welt – für Technologien, bei denen es selbst kaum Weltmarktführer hervorbringt.
Natürlich braucht künstliche Intelligenz Regeln. Aber Regulierung kann Innovation niemals ersetzen. Wer kaum eigene Technologieführer besitzt, sollte vorsichtig sein, wenn er sich vor allem darauf konzentriert, die Weltmarktführer anderer zu regulieren.
Die wirtschaftspolitische Schizophrenie Europas
Die eigentliche Absurdität zeigt sich in der Praxis. Europa verabschiedet eines der strengsten KI-Regelwerke der Welt und hofft gleichzeitig, dass amerikanische Unternehmen ihre modernsten Modelle weiterhin in Europa anbieten.
Wir regulieren eine Technologie, in der wir selbst kaum führend sind – und bitten zugleich diejenigen, die sie entwickelt haben, uns den Zugang nicht zu erschweren. Strategische Souveränität entsteht jedoch nicht durch Regulierung, sondern durch technologische Führerschaft.
Die strategische Kehrtwende lautet deshalb: Europa muss vom Regulierer zum Innovator werden. Der AI Act allein wird keinen einzigen Weltmarktführer hervorbringen. Was Europa braucht, sind massive Investitionen in Forschung, Rechenzentren und KI-Infrastruktur, schnellere Genehmigungen, mehr Wagniskapital und einen echten europäischen Markt für künstliche Intelligenz. Wer die Zukunft gestalten will, muss wieder selbst zum Ort der Innovation werden.
Digitale Souveränität beginnt bei eigener Technologie
Die Wahrheit ist unbequem: Europa ist in zentralen Bereichen der Digitalisierung von den Vereinigten Staaten abhängig. Unsere Unternehmen arbeiten mit Microsoft. Unsere Daten liegen häufig bei Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud. Unsere Smartphones laufen mit Android oder iOS. Unsere Suchmaschinen, Bürosoftware und die meisten leistungsfähigen KI-Systeme stammen aus den USA. Auch bei Hochleistungschips spielt Europa kaum noch eine führende Rolle.
Internationale Arbeitsteilung ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Wer jedoch in nahezu allen Schlüsseltechnologien von wenigen außereuropäischen Unternehmen abhängig ist, sollte vorsichtig sein, wenn er gleichzeitig von digitaler Souveränität spricht. Souveränität bedeutet nicht Autarkie. Sie bedeutet, in den entscheidenden Zukunftstechnologien aus eigener Kraft handlungsfähig zu bleiben.
Eine Infografik mit dem Titel: Google verdoppelt Ausgaben für KI-Infrastruktur nahezu
Entwicklung der Alphabet-Aktie seit Beginn des Jahres 2026, in US-Dollar
Der Wettlauf ins All entscheidet längst über die Macht auf der Erde
Diese technologische Abhängigkeit endet nicht auf der Erde. Sie setzt sich im Weltraum fort. Satelliten sind heute die Infrastruktur moderner Volkswirtschaften. Navigation, Kommunikation, Wetterdaten, Logistik, Landwirtschaft, Finanztransaktionen, Katastrophenschutz und militärische Aufklärung hängen von ihnen ab.
Während Europa seine Raumfahrtprogramme schrittweise weiterentwickelt, verfolgt SpaceX eine völlig andere Größenordnung. Wiederverwendbare Raketen ermöglichen Starts zu deutlich geringeren Kosten und in bislang unerreichter Frequenz. Tausende Satelliten bilden bereits heute ein weltumspannendes Kommunikationsnetz. Während die USA also auf wiederverwendbaren Raketen wie die von SpaceX setzen, setzen wir in Europa auf Wegwerfraketen wie Ariane 6.
Der eigentliche Vorsprung liegt jedoch nicht allein in der Raketentechnik, sondern in der Skalierung. Wer kostengünstig und regelmäßig starten kann, baut schneller Infrastruktur auf, sammelt schneller Daten, entwickelt schneller Anwendungen und errichtet Markteintrittsbarrieren, die Wettbewerber kaum noch überwinden können.
Europa diskutiert über strategische Souveränität. Die Vereinigten Staaten bauen sie längst – nicht in Sonntagsreden, sondern im Orbit.
Die strategische Kehrtwende lautet deshalb: Europa muss massiv in wiederverwendbare Trägersysteme, Satellitenkonstellationen und private Raumfahrtunternehmen investieren. Was früher Häfen und Eisenbahnen waren, ist heute der Orbit: Wer die Infrastruktur besitzt, bestimmt die Spielregeln. Raumfahrt ist kein Prestigeprojekt mehr, sondern ein zentraler Baustein wirtschaftlicher Souveränität.
Wirtschaftliche und militärische Souveränität sind heute untrennbar
Warum das weit mehr ist als Wirtschaftspolitik, zeigt der Krieg in der Ukraine. Moderne Kriege werden nicht mehr allein mit Panzern, Flugzeugen und Artillerie entschieden. Daten, Satelliten, Software, Drohnen, künstliche Intelligenz und digitale Kommunikation sind längst zu entscheidenden Faktoren militärischer Stärke geworden.
Dass Starlink innerhalb kürzester Zeit zur kritischen Infrastruktur eines ganzen Landes wurde, hätte vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten. Heute wissen wir: Technologische Überlegenheit entscheidet zunehmend über militärische Handlungsfähigkeit. Technologische Führerschaft ist deshalb längst kein wirtschaftspolitisches Randthema mehr. Sie ist Teil unserer Sicherheitsarchitektur.
Die strategische Kehrtwende lautet deshalb: Europa muss Verteidigung technologisch neu denken. Militärische Stärke wird künftig nicht mehr allein an der Zahl von Panzern oder Kampfflugzeugen gemessen, sondern an der Fähigkeit, modernste Technologien schnell zu entwickeln und in die Streitkräfte zu integrieren. Wer diese Technologien beherrscht, schützt nicht nur seine Sicherheit, sondern auch seinen wirtschaftlichen Wohlstand. Verteidigungspolitik ist deshalb immer auch Industrie-, Technologie- und Innovationspolitik.
Eine Infografik mit dem Titel: Sonderausgaben Verteidigung: Kosten der Sicherheit
Ausgaben für die Bereichsausnahme Bundeswehr*, in Milliarden Euro
Es ist (noch) nicht zu spät
Deutschland ist nicht zum Niedergang verurteilt. Ganz im Gegenteil. Wir verfügen über hervorragende Unternehmen, exzellente Wissenschaft, leistungsfähige Ingenieure und Millionen engagierter Menschen, die jeden Tag Wertschöpfung schaffen. Gerade deshalb dürfen wir uns mit politischen Fehlentwicklungen nicht zufriedengeben.
Wir müssen aufhören, erfolgreiche Technologien aus ideologischen Gründen auszuschließen. Wir müssen Genehmigungen beschleunigen, statt immer neue Vorschriften zu erlassen. Wir müssen Innovation wieder höher bewerten als Regulierung. Wir müssen Energie bezahlbar machen. Und wir müssen Unternehmen wieder wachsen lassen, statt sie immer stärker zu verwalten.
Europa muss sich wieder auf das konzentrieren, was seinen Wohlstand geschaffen hat: Freiheit, Wettbewerb, Unternehmertum und technologischen Fortschritt. Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands war niemals ein Naturgesetz. Er war das Ergebnis kluger strategischer Entscheidungen. Genau deshalb gilt auch das Gegenteil.
Wenn strategische Fehlentscheidungen unseren Wohlstand schwächen können, dann können bessere Entscheidungen ihn auch wieder stärken. Deutschland ist nicht am Ende seines Erfolgsmodells. Aber wir stehen an einem Scheideweg. Noch ist es nicht zu spät.
Kurt Joachim Lauk war von Juni 2004 bis Juni 2009 Europaabgeordneter für Baden-Württemberg in der Europäischen Volkspartei. Von 2000 bis 2015 war Lauk Präsident des Wirtschaftsrates der CDU und Vorstandsmitglied führender deutscher Wirtschaftsunternehmen.