nach dem Mord ist vor dem Mord. Davon gehen nach der islamistisch motivierten Straftat beim Christopher Street Day die deutschen Sicherheitsbehörden und auch Thomas Mücke aus.
Mücke ist Chef des Violence Prevention Network, einer Organisation, die mit 150 Mitarbeitern und staatlich geförderten Deradikalisierungsprogrammen daran arbeitet, dass Extremisten nicht zu Tätern werden. 490 dieser „gefahrenrelevanten Fälle“ haben er und sein Team in den vergangenen Jahren betreut, darunter Dutzende Hochrisikofälle, zum Beispiel Rückkehrer aus den Kampfgebieten des syrischen Bürgerkriegs.
Im Fall von Abdul Ballout hat die Prävention nicht funktioniert. Der 21-Jährige fuhr am vergangenen Samstagabend gegen 22 Uhr während des Christopher Street Days in die feiernde Menschenmenge im Tiergarten. Eine 65-jährige Frau kam ums Leben, 31 Menschen wurden verletzt, sieben von ihnen schwer.
Aber kann ein solches Deradikalisierungsprogramm überhaupt funktionieren? Und dann die weitergehende Frage: Handelt es sich überhaupt um Einzeltäter, wie es in den Zeitungen heißt, oder gibt es Hinweise darauf, dass diese Gefährder gezielt vor Wahlen per Fernschaltung aktiviert werden, um die Verhältnisse in Deutschland zum Tanzen zu bringen? Auch darüber spreche ich im heutigen Pioneer Morning Briefing Podcast mit Thomas Mücke. Hier die Kurzfassung unseres Gesprächs zum Lesen.
Thomas Mücke, Mitbegründer und Geschäftsführer des Violence Prevention Network © Violence Prevention Network gGmbHPioneer: Herr Mücke, Ihre Mitarbeiter haben unmittelbar vor der Tat mit dem späteren Attentäter Gespräche geführt. War das, was dann geschah, vorhersehbar?
Mücke: Er war sehr ruhig, sehr höflich, sehr freundlich, aber man hat gemerkt, dass er nachgedacht hat, bevor er eine Antwort gab. Deswegen war er für uns nicht fassbar, also undurchschaubar.
Pioneer: Ihr Team führte immerhin zwei Gespräche mit ihm.
Mücke: Auch nach dem zweiten Gespräch hatte man nicht den Eindruck, dass er sich öffnet und dass wir in eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung kommen können.
Pioneer: Aber ist es nicht naiv, vielleicht auch vom Staat naiv, Menschen mit einer solchen Biografie in diesem Stadium der Radikalisierung zu Ihnen zu überweisen?
Mücke: Es war eine gerichtliche Entscheidung. Ich bewerte Gerichtsurteile grundsätzlich nicht. Im Nachhinein kann man aber eines sagen: Bei einem Menschen, der am Endpunkt seiner extremistischen und terroristischen Karriere steht, zu glauben, dass die Teilnahme an solchen Programmen noch eine Wirkung hat, ist völlig vergebens.
Pioneer: Beschreiben Sie bitte das Täterprofil von Abdul Ballout.
Mücke: Es hat hier keine Turbo-Radikalisierung gegeben. Der Mann war längere Zeit in der salafistischen Szene unterwegs, das heißt, er hat einen längeren Radikalisierungsprozess erlebt. Für uns stellt sich die Frage, auf die wir eine Antwort haben wollen: Warum ist hier nicht früher, gerade in jungen Jahren, interveniert worden?
Mit diesem Foto fahndete die Polizei nach dem 21-jährigen Abdul Ballout © dpaPioneer: Sie beobachten das Feld des islamistischen Terrorismus seit Jahrzehnten. Was sehen Sie?
Mücke: Die Anschlagsdynamik in Westeuropa in den vergangenen Jahren ist hoch: 2023 bis 2024 gab es eine Vervierfachung im Bereich Islamismus. Wir konnten feststellen, dass 90 Prozent dieser Personen ausschließlich online radikalisiert worden sind, und dass zwei Drittel dieser Personen zwischen 13 und 19 Jahre alt sind. Die Radikalisierung passiert größtenteils im Internet. Wir verlieren einen Teil unserer jungen Generation.
Polizisten in der Kleingartensiedlung in Berlin-Spandau, in der Abdul Ballout von Polizisten erschossen wurde, 26.07.2026 © ImagoPioneer: Was unterscheidet die heutigen Täter von der vorherigen Terroristen-Generation?
Mücke: Diese Personen sind nicht mehr so ideologisch interessiert oder gefestigt, wie man das früher erlebt hat, sondern sie bauen sich etwas zusammen, mit dem sie letztlich ihre große Gewaltbereitschaft rechtfertigen können. Es gibt Menschen, die nach Syrien gehen, einfach nur, weil sie wissen wollen, wie es ist, Menschen die Kehle durchzuschneiden.
Pioneer: Aber diese Menschen sind doch nicht zu therapieren?
Mücke: Das müssen wir ganz ehrlich sagen: Die sind erstmal nicht therapierbar. Auf jeden Fall müssen sie zunächst in einen geschlossenen Kontext, damit die Öffentlichkeit geschützt wird.
Pioneer: Gehörte nicht Abdul Ballout – der in voller Gewaltbereitschaft in den Libanon gereist war, um sich dem IS anzuschließen – ebenfalls in diese Kategorie?
Mücke: Wir wissen, dass er vaterlos aufgewachsen ist, und wir wissen, dass in dieser Szene dieses Attraktivitätsmoment bedient wird. Hier gibt es männliche, charismatische Autoritäten, die anleiten. Wir müssen also der Frage nachgehen, was ihn dazu geführt hat: Gab es eine äußere Anweisung, oder kam alles aus eigenem Antrieb?
Mit diesem Kleintransporter hat Abdul Ballout das Attentat im Tiergarten begangen © dpaPioneer: Was vermuten Sie, Herr Mücke? Aus Sicherheitskreisen hört man, dass solche Anschläge sehr häufig in der Nähe von Wahlen stattfinden. Zufall?
Mücke: Diesen Verdacht haben wir schon seit zwei Jahren, und dieser Zusammenhang mit bestimmten Zeitfenstern fällt auf. Es kann sein, dass das von außen gesteuert wird, weil es ein Interesse daran gibt, diese Gesellschaft zu destabilisieren. Es kann aber auch sein, dass wir einen neuen Tätertypus haben – jemand, der ziemlich durchgeknallt ist und Gott spielen will, und der weiß, dass er mit seiner Tat eine ganze Gesellschaft, ein ganzes politisches System in Unruhe versetzt.
Eine Infografik mit dem Titel: Attentate kurz vor Wahlen: Zufall?
Verschiedene Attentate in den vergangenen Jahren und der zeitliche Abstand zu dem nächsten Wahltermin
Pioneer: Beschreiben Sie diesen neuen Tätertypus genauer, bitte.
Mücke: Es gibt dem potenziellen Täter unglaublich viel Macht, wenn er das Gefühl hat, mit seiner Tat eine Wahl beeinflussen zu können. Da sind auch sehr narzisstische Störungsanteile drin. Die Sicherheitsbehörden haben noch keine Belege dafür, dass nachweisbar von außen gesteuert wird. Aber die Fragen müssen wir jetzt stellen, weil es auffällt und ich glaube nicht, dass das Zufall ist.
Pioneer: Welche Indizien sprechen dafür, dass hier nicht nur der Einzeltäter, sondern auch fremde Mächte im Spiel sind?
Mücke: Dass die Vorgehensweise auch bei diesem Anschlag sehr durchdacht war. Ich kenne das aus dieser Szene: Wenn Anschläge gemacht werden, werden sie teilweise auch am Telefon angeleitet, und dann ist die Frage, wer am anderen Ende der Leitung war. Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass Abdul Ballout aus ganz eigenem Antrieb heraus genau diesen Plan so entwickeln konnte, wie er entwickelt wurde. Das sind Fragen, denen wir nachgehen müssen.
Pioneer: Welche Indizien gibt es für eine Art Fremdsteuerung der Gefährder?
Mücke: Wir hatten Personen in der Beratung, die direkt einen Ohrhörer hatten und sich dort Anweisungen geben ließen, wie sie sich im Gespräch mit uns verhalten sollten. Das war zum Beispiel eine Frau, der aus der salafistischen Szene gesagt wurde, wie sie sich in unserem Gespräch verhalten soll.
Pioneer: Ist unser Staat zu naiv?
Mücke: Wir wissen, dass die Gefahr real und groß ist.
Pioneer: Herr Mücke, vielen Dank für das Gespräch.
Unsere Highlights heute
Warum das Ausmaß des Cyberangriffs durch OpenAI größer als gedacht ist.
Iran: Welche Entwicklung dem amerikanischen Militär besonders zu schaffen macht.
Warum ausgerechnet Verdis berühmteste Oper erst jetzt die Bregenzer Seebühne erobert.
Frankfurt, wir kommen
Die Expansion von The Pioneer ins Zentrum der europäischen Finanzindustrie nimmt Fahrt auf.
The Pioneer Three © The PioneerNach der Bekanntgabe der geplanten Investition von über 40 Millionen Euro, die den journalistischen Teamaufbau, die technische Infrastruktur und die Beauftragung eines dritten Medienschiffes beinhaltet, ist viel passiert. Kurzes Update:
Erfolgreich die erste Pioneer Finance Week in Frankfurt am Main absolviert, mit dem hessischen Ministerpräsidenten und dem Chef der Deutschen Bank auf der Pioneer Two.
Über 6.000 neue Pioneers haben spontan ihre Mitgliedschaft angetreten. Herzlich willkommen an Bord.
Start des Finanzmarkt-Podcasts „Frontrunners“. Marktübersicht in Echtzeit dank KI-Einsatz. Börsentäglich ab 5 Uhr. Reinhören.
Mehr als 80 interessierte Investoren haben sich registriert und Eintritt in den Datenraum beantragt.
Unsere geplante Kapitalerhöhung hat reges Interesse geweckt. Paul Horlacher, CEO der Media Pioneer Publishing AG, und ich werden den Interessenten im Rahmen einer Roadshow in den nächsten Wochen das Projekt näher vorstellen. Es handelt sich um eine Privatplatzierung an der Media Pioneer Publishing AG; wir suchen ausschließlich Anleger, die mindestens 100.000 Euro investieren. Akkreditierung für die Roadshow und Rückfragen bitte an den Pioneer Three Projektmanager Dominik Elbel.
Die Roadshow-Termine
03.09. Köln: 13:00 Uhr
17.09. Frankfurt: Satellite Office in der Villa Sander: 20:00 Uhr
18.09. München: Satellite Office im Ludwigpalais: 13:00 Uhr
Und: Wir beginnen mit der Demokratisierung des Kapitalmarktes beim Nachwuchs. Motto: „Wissen bildet, zum Beispiel Kapital“.
Zielgruppe: 18–30 Jahre
Kosten: 99 Euro
Programm: Pioneer-Finanzjournalisten und bankenunabhängige Kapitalmarktexperten werden in Vorträgen und Workshops über Aktienkauf, fundamentale Aktienanalyse und den Aufbau eines privaten Vermögens informieren. Anmelden bitte bei unserem Kapitalmarktexperten Philipp Heinrich.
Dort, wo europäische Geldpolitik, Bankenaufsicht und Kapitalmärkte zusammenlaufen, soll ein neuer Standort für Wirtschafts- und Finanzjournalismus entstehen. Den Aufbau dieses publizistischen Vorhabens in Frankfurt am Main wird künftig mein Kollege Nico Giese verantworten.
Damit lässt Nico seine bisherige Funktion als Redaktionsleiter des Morning Briefing Newsletters hinter sich. In Frankfurt wird er die neue Redaktion inhaltlich sowie personell aufbauen und neue Pioneer-Formate entwickeln. Bei Interesse melden Sie sich hier bei ihm. Diskretion – Ehrensache!
Entwurf der Pioneer Three © The PioneerSie sehen: Deutschland kann mehr als Stillstand. Die Demokratisierung des Kapitalismus beginnt jetzt.
Entwurf der Pioneer Three © The PioneerAus der Hauptstadt
Der große Knall ist ausgeblieben, aber es hat gescheppert. Das ist die Botschaft des gestrigen Tages. Auf der Sondersitzung im Bundestag gaben die Unions-Abgeordneten Thorsten Frei 91,9 Prozent ihrer Stimmen. Ein gutes Ergebnis für ihren neuen Fraktionschef – das explizit nicht Friedrich Merz gelten dürfte.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei, 29.07.2026 © dpaIn der Aussprache nach der Frei-Wahl gab es nach Teilnehmerschätzungen rund 20 Wortmeldungen. Die meisten, die sich dabei mit Kritik aus der Deckung wagten, waren Abgeordnete aus Ostdeutschland und von der Jungen Gruppe.
Meine Kollegin Julia Kanning aus unserem Politikteam war vor Ort. Sie kennt die Namen der Kritiker.
Iran
Vier Tage lang war es ruhig am Golf. Dem ist seit gestern ein Ende gesetzt worden: Iranische Revolutionsgarden griffen mit fünf ballistischen Raketen eine Luftwaffenbasis in Jordanien an, ohne dass eine vorherige US-Handlung die Angriffe provoziert hätte. Deshalb reden zumindest die Amerikaner auch von einem „Überraschungsangriff“.
Donald Trump griff umgehend in die Drohschublade: Bei Fox News kündigte er an: „We're going to beat the fucking shit out of them“. Zu Deutsch: „Wir werden sie verdammt windelweich prügeln“.
Eine weitere Eskalation wird jedoch in den USA zunehmend unbeliebter: Nur noch 33 Prozent der Bevölkerung befürworten den Krieg im Nahen Osten, so eine Reuters-Umfrage. Das mag auch daran liegen, dass der Irankrieg laut US-Verteidigungsminister Peter Hegseth die Amerikaner bis dato mehr als 37,5 Milliarden Dollar gekostet und als einzige Veränderung einen enormen Anstieg der Benzinkosten bewirkt hat. Kriegsziel: unbekannt.
Aus militärischer Sicht ergibt sich noch ein weiteres Problem: Der Bestand der Luftabwehrraketen der Typen Patriot und THAAD – gegen die ballistischen Angriffe des Iran – hat sich seit Beginn des Kriegs im Februar laut dem Center for Strategic & International Studies ungefähr halbiert. Die amerikanische Luftverteidigungsfähigkeit hat eine ordentliche Delle bekommen.
Eine Infografik mit dem Titel: USA: Eingeschränkte Luftabwehr
Verbleibende Patriot- und THAAD-Abfangraketen im Bestand der USA
Aus der im Februar begonnenen Operation Epic Fury ist inzwischen Operation Epic Chaos geworden.
Aus der Nacht
Die kurze Feuerpause im Nahen Osten gehört nun endgültig der Geschichte an. Die USA haben in der Nacht eine massive Angriffswelle gegen den Iran geflogen und nach eigenen Angaben Dutzende Ziele der Revolutionsgarden getroffen – darunter Kommandozentren, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenverteidigung und maritime Infrastruktur. Die Angriffe konzentrierten sich auf den Süden des Landes und waren die Reaktion auf den iranischen Raketenbeschuss einer US-Basis in Jordanien.
Zugleich weitet sich der Krieg regional aus. Bei erstmals offen gemeinsam geführten Angriffen der USA und Saudi-Arabiens auf proiranische Milizen im Irak wurden nach Angaben der Volksmobilisierungskräfte mindestens 20 Kämpfer getötet und 32 verletzt. Der Irak spricht von einer Verletzung seiner Souveränität. In Ägypten wurde zudem ein US-amerikanischer Gastanker im Hafen von Damietta von einer Drohne getroffen.
Trotz der Eskalation geben die Ölpreise am Morgen nach: Brent fällt um 0,9 Prozent auf 87,24 US-Dollar, WTI um 0,9 Prozent auf 83,71 US-Dollar. Tanker und Rohstoffschiffe verkehren weiter – wenn auch über zunehmend riskante und eingeschränkte Routen.
Ein Öltanker, der durch die Straße von Hormus im Persischen Golf navigiert. © ImagoWeiterer Hacker-Angriff bei OpenAI
Das Ausmaß des Cyberangriffs bei OpenAI ist offenbar größer als gedacht. Das Portal Hacker News meldete gestern, dass mindestens vier weitere Unternehmen gehackt wurden.
Der Hintergrund: Bei einem internen Sicherheitstest vor drei Wochen verschaffte sich die KI aus einem abgeschlossenen Testumfeld eigenständig Zugang zum Internet und griff ein anderes KI-Unternehmen an, um sich Zugriff auf Daten für die gestellte Aufgabe zu verschaffen. Es war das erste Mal, dass eine KI sich in einem solchen Umfang verselbstständigt hat, sich aus ihrem Testumfeld befreite und eine Straftat beging.
Die Financial Times berichtete von OpenAI-Mitarbeitern, die sich „vollkommen panisch“ über den Vorfall zeigten und dennoch „nicht überrascht“.
Sam Altman, CEO von OpenAI, 03.02.2025 © dpaAuch für Experten ist dieser Vorfall wenig überraschend. In dem Technology Review der US-Elite-Uni MIT schreibt der KI-Experte Will Douglas Heaven:
Gibt man einem KI-Modell ein Ziel vor, wird es dieses Ziel sehr oft auf unerwartete Weise erreichen und dabei Schlupflöcher finden, die wie Betrugsversuche aussehen.
Davor sei OpenAI sogar explizit gewarnt worden, so die Insider-Quelle der FT. Trotzdem habe man immer riskantere Trainingsmethoden angewendet – und das explizit, um im bitteren Wettstreit mit Konkurrent Anthropic nicht ins Hintertreffen zu geraten.
Experten weisen seit Längerem darauf hin, dass sich KI-Unternehmen in einem „race to the bottom“ befinden – also einem Rennen Richtung Abgrund –, in dem durch Konkurrenzdruck Qualitätsstandards immer weiter gesenkt werden.
Kapitalmarkt-Update
Die US-Notenbank hält den Leitzins bei 3,75 Prozent. Bemerkenswert ist weniger die Zinspause als der Widerstand: Drei Mitglieder stimmten für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte, weil die Inflation weiterhin über dem Ziel liegt und höhere Energiepreise neuen Druck erzeugen.
Berichtssaison:
Microsoft: Der US-Softwarekonzern zeigt, dass die KI-Nachfrage inzwischen messbar im Kerngeschäft ankommt. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 90 Milliarden US-Dollar, das operative Ergebnis ebenfalls um 18 Prozent auf 40,6 Milliarden US-Dollar. Das Cloud-Geschäft Azure wuchs um 43 Prozent, der gesamte Cloud-Umsatz um 27 Prozent auf 59,3 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig haben sich die Investitionen in Sachanlagen, vor allem in Rechenzentren und KI-Infrastruktur, auf 35,8 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt.
Meta: Der US-Technologiekonzern wächst im Werbegeschäft schneller als erwartet. Der Umsatz stieg um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden US-Dollar, getragen von 14 Prozent mehr Werbeeinblendungen und zwölf Prozent höheren Anzeigenpreisen. Gleichzeitig legten die Kosten um 55 Prozent zu, das operative Ergebnis sank um acht Prozent auf 18,8 Milliarden US-Dollar. Besonders deutlich wird der Investitionsdruck: Von 31,9 Milliarden US-Dollar operativem Mittelzufluss blieben nach Investitionen lediglich 784 Millionen US-Dollar freier Cashflow übrig.
Deutsche Bank: Deutschlands größtes Geldhaus steigerte den Nettogewinn überraschend um zehn Prozent auf 1,64 Milliarden Euro. Der entscheidende Treiber war die Investmentbank, deren Erträge um 19 Prozent stiegen. Im Geschäft mit Anleihen und Währungen waren es plus 16 Prozent, bei Beratung und Emissionen sogar plus 36 Prozent. Die Kosten erhöhten sich allerdings um acht Prozent.
Samsung: Der südkoreanische Technologiekonzern hat seine Zahlen heute in der Früh veröffentlicht und steigerte den Nettogewinn im zweiten Quartal auf den Rekordwert von 49,6 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz verdoppelte sich auf rund 119 Milliarden US-Dollar – fast vollständig getragen vom Halbleitergeschäft und der Nachfrage nach KI-Speichern. Schwächer liefen Smartphones und Haushaltsgeräte, dennoch gewann die Aktie nach dem optimistischen Ausblick rund ein Prozent.
Das wird heute wichtig:
Anleger blicken heute auf die BIP-Daten für das zweite Quartal aus Deutschland und der Eurozone. Zudem werden neue Inflationsdaten aus den USA und Deutschland veröffentlicht.
Quartalszahlen kommen unter anderem von Apple, Amazon, Mastercard, Adidas, Puma, Shell, Sanofi, Altria, BAT, BAE Systems, MTU, Ferrari, Erste Group und Verbund.
MyWay
Gesunde Mitarbeiter sind der entscheidende Erfolgsfaktor für Unternehmen.
Deshalb rückt Health & Resilience auf der MyWay in den Fokus. Dr. Amelie Wiedemann und Julius Kühn zeigen für die Techniker Krankenkasse, wie Gesundheitsdaten zu konkreten Managemententscheidungen werden. Tassilo Pollmeier vom Deutschen bKV-Service richtet gemeinsam mit Mario Welker von Coroplast den Blick auf die medizinische Versorgung.
Klick aufs Bild führt Sie zu den TicketsWer dieses Zukunftsthema vertiefen möchte, kann sich bis einschließlich 31. Juli sein Ticket zum aktuellen Preis sichern. Ab dem 1. August gilt die nächste Preisstufe. Wir sehen uns am 23. und 24. September auf der MyWay im Berliner Westhafen!
La traviata
Es ist vermutlich die bekannteste Oper von Giuseppe Verdi. Und doch wird La traviata (italienisch für „Die vom Weg Abgekommene“) in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Seebühne der 80. Bregenzer Festspiele aufgeführt. Einen Monat lang verhandelt das Ensemble nun fast jeden Abend (in wechselnder Besetzung der Solisten) auf dem Bodensee eine große Menschheitsfrage: Welche Grenzen kann die Liebe überwinden – und an welchen scheitert sie?
Violetta und Alfredo in „La traviata“ bei den Bregenzer Festspielen 2026 © Bregenzer Festspiele/Anja KöhlerDie Vorlage für Verdis Oper lieferte 1848 der französische Schriftsteller Alexandre Dumas (der Jüngere) mit seinem Roman und späterem Theaterstück „Die Kameliendame“.
An der Handlung hat Verdi nur wenig verändert: Als begehrte Kurtisane führt Violetta Valéry in Paris ein rauschendes Leben aus Festen und reichen Verehrern – freier, als sie es in einer Ehe je könnte. Deshalb zögert sie auch, als der bürgerliche Alfredo Germont ihr seine Liebe gesteht und mit ihr in idyllischer Zweisamkeit auf dem Land leben möchte.
Giuseppe Verdi (1813–1901) © ImagoSchließlich kommt sie mit und gibt ihr bisheriges Leben auf. Alfredos Vater aber ist von der Verbindung seines Sohnes überhaupt nicht begeistert, er sieht den Ruf seiner angesehenen Familie in Gefahr. In Alfredos Abwesenheit überredet er Violetta, die Beziehung zu beenden, auch wenn ihn ihre Aufrichtigkeit berührt.
Violetta trennt sich ohne Erklärung, der verletzte und verlassene Alfredo demütigt sie öffentlich. Erst als sie, an Tuberkulose erkrankt, im Sterben liegt, erfährt er die Wahrheit. Doch da ist es schon zu spät: Vereinsamt und verarmt stirbt Violetta.
Die Hauptfigur Violetta in „La traviata“ bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen © Bregenzer Festspiele/Anja KöhlerSo viel Pathos, Dramatik und Tragik darin liegen mag: Vor allem ist diese Oper revolutionär provokant. Verdi machte eine gesellschaftliche Außenseiterin zur Hauptfigur, die die Sympathien des Publikums auf sich zieht. Der Gesellschaft selbst und ihren Normen hält er den Spiegel vor. Kein Wunder also, dass die Zensur ihm auferlegte, die Handlung um rund 150 Jahre in die Vergangenheit zurückzuversetzen.
Die Seebühne der diesjährigen Bregenzer Festspiele © Bregenzer Festspiele/Anja KöhlerIn Bregenz hält Regisseur Damiano Michieletto dem Publikum nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich den Spiegel vor: und zwar einen 700 Quadratmeter großen zersplitterten Spiegel, in den er die Seebühne verwandelt hat.
Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in den Tag. Bleiben wir einander gewogen. Herzlichst grüßt Sie,
Ihr