Rechte und Linke sind im Irrtum vereint. Wer sich vor einem AfD-Wahlsieg in ganz Deutschland fürchtet, der gruselt sich umsonst. Andersherum: Wer in freudiger Erwartung einem AfD-Wahlsieg im Bund entgegenfiebert, kann sich ebenfalls wieder abregen.
Die Machtergreifung fällt aus. Den AfD-Durchmarsch wird es nie geben.
Der Weg vom Wahlsieger zum Machthaber ist in Deutschland weit – und für die politischen Extreme zu weit. Sie werden am Wahlabend von ihren Anhängern gefeiert – und danach abserviert.
Die Strategie von Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt kann nicht aufgehen, so wie die Strategie von Franz Josef Strauß auch nicht aufgegangen ist. Beide durften einmal kräftig auf den Tisch hauen – und das war’s.
Ulrich Siegmund (l.) bei der Wahlparty der AfD in Sachsen-Anhalt, 06.09.2026 © dpa„Alles ist möglich“ war der Wahlslogan von Siegmund. Er hat für die absolute Mehrheit gekämpft – und sie unter Idealbedingungen (unbeliebter Kanzler, schläfriger CDU-Ministerpräsident) nicht bekommen. „Freiheit statt Sozialismus“ war der Claim von Strauß. Er hat damit polarisiert und immerhin mehr Stimmen geholt als der SPD-Kandidat – anschließend musste er sich zurück nach München trollen.
Der damalige CSU-Chef und Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß (l.) und der damalige CDU-Vorsitzende Helmut Kohl (r.) auf einer gemeinsamen Konferenz, 30.08.1980 © dpaFakt ist: Den Polterern und Polarisierern gehören TikTok und die TV-Talkshows. Aber Kanzleramt und Staatskanzlei gehen bevorzugt an die Moderaten. In der Demokratie des Grundgesetzes regiert nicht die stärkste Partei, sondern derjenige, der es schafft, eine parlamentarische Mehrheit hinter sich zu versammeln. Dafür braucht es einen Charakter mit politischer Anschlussfähigkeit – zumal in einer zersplitterten Parteienlandschaft.
Wem das nicht gelingt, der stirbt den politischen Kältetod. Er kann wüten und rasen. Aber er kann nicht regieren. Für Populisten ist in Deutschland – anders als in den USA und in Italien – zwar Platz auf den Titelseiten der Zeitungen, aber der Zutritt zum Heiligsten im Bundeskanzleramt bleibt ihnen versperrt.
Spiegel-Cover, 14.08.2026 © Der SpiegelDie deutsche Nachkriegsgeschichte kennt dieses Playbook in vielfacher Ausführung, auch ohne AfD.
1969 gewann die Union mit Spitzenkandidat Kiesinger rund 46 Prozent der abgegebenen Stimmen bei der Bundestagswahl – und ging trotzdem leer aus. Willy Brandt, dessen SPD deutlich dahinter lag, zog ins Kanzleramt ein, weil die FDP dazu die Tür öffnete. Die CDU hatte die Wahl, aber Brandt hatte Scheel gewonnen.
Sieben Jahre später wiederholte sich das Schauspiel: Die Union kratzte 1976 unter Helmut Kohl mit 48,6 Prozent an der absoluten Mehrheit – und regierte trotzdem nicht. Auch 1980 konnte sich Strauß von seinem Sieg nichts kaufen. Helmut Schmidt blieb Kanzler, bis ihm die FDP von der Fahne ging.
Auch die Länder schrieben ihre eigenen Kapitel in dieser Geschichte. 1994 wurde Reinhard Höppner Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, obwohl seine SPD-Fraktion kleiner war als die CDU – das „Magdeburger Modell“ wurde zum Sinnbild für Mehrheiten jenseits des Wahlsiegs.
Reinhard Höppner bei einer Pressekonferenz in Magdeburg, Juli 1994 © Imago2014 traf es die CDU in Thüringen: Sie wurde stärkste Kraft, aber Bodo Ramelow von der Linken zog als Ministerpräsident in die Erfurter Staatskanzlei ein. Er hatte nicht die Wahl gewonnen, aber der moderate und menschlich warme Ramelow konnte SPD und Grüne von sich überzeugen.
Der Grund dafür, dass sich ein Wahlsieg nicht in Macht übersetzt, ist keine Verschwörung, sondern wurzelt tief in der deutschen Geschichte. Nie wieder! Wenn es nach dem 8. Mai 1945 in Westdeutschland bei Gewerkschaften und Politikern eine Gemeinsamkeit gab, dann war es diese: Nichts sollte wieder so sein, wie es unter Hitler war.
Eine Infografik mit dem Titel: Wahlsieger = Wahlverlierer
Bundestagswahlen seit 1949, bei denen der Wahlsieger letztlich nicht die Regierung gestellt hat
Über dem Parlamentarischen Rat, dem Gremium, das die Verfassung schuf, lag der Schatten des Hakenkreuzes. Der ehemalige Diktator saß wie ein Untoter mit am Tisch, als der Parlamentarische Rat – 61 Männer und vier Frauen – sich im Bonner Museum Koenig am 1. September 1948 zum ersten Mal traf.
Der neue Staat, darin bestand von Anfang an große Einigkeit, sollte das Gegenteil dessen sein, was man gerade erlebt hatte: entwaffnet statt hochgerüstet, liberal statt autoritär, tolerant statt chauvinistisch, demokratisch statt diktatorisch, föderal statt zentralistisch. Gemeinsam schuf man den Anti-Führer-Staat.
Der Einparteienstaat hatte versagt, er hatte zur Einparteiendiktatur und diese dann zur Einpersonen-Herrschaft geführt. Nun also galt es, die Rückkehr zu Rede und Widerrede, zu Parlament und Parteien in den Grundfesten des neuen Staates fest zu verankern. Ein System von „Checks and Balances“ entstand, für das es in dieser Komplexität nirgendwo auf der Welt ein Vorbild gab.
Das erste Treffen des Parlamentarischen Rats am 1. September 1948 in Bonn © ImagoAnders ausgedrückt: Kein anderes Land setzt den politischen Alleinunterhaltern so enge Grenzen. Wer der König von Deutschland sein will, um das Lied von Rio Reiser zu zitieren, der muss nicht nur in einem Bundesland, sondern in der Mehrzahl der Bundesländer und im deutschen Bundestag eine absolute Mehrheit vorweisen können. Das ist bisher nur Adenauer gelungen – und auch das nur einmal.
Ansonsten gilt: Kein Brandt ohne Scheel. Kein Kohl ohne Genscher. Kein Schröder ohne Fischer. Kein Merz ohne Klingbeil. Deshalb braucht die AfD – wenn sie regieren und nicht nur agitieren will – eine neue Strategie und vermutlich auch neues Spitzenpersonal. Die Lauten müssen, das verlangt die Physik des deutschen Parlamentarismus, den Moderaten weichen.
Fazit: Die Parteikader der AfD sollten nicht nur Demoskopen befragen, sondern beim nächsten Mal einen Verhaltensforscher einladen, der sich mit den Machtstrukturen einer Pferdeherde beschäftigt hat. Dann werden Alice Weidel und ihr Team erfahren: Die Leitstute führt nicht, weil sie das aggressivste Tier ist, und auch nicht, weil sie am lautesten wiehert. Sie führt, weil ihre unterschiedlichen Signale – Wachsamkeit, Gelassenheit, Richtungswechsel – konsistent sind und von der Herde verstanden werden. Die wichtigsten Führungsqualifikationen sind Vertrauen und Anschlussfähigkeit – bei Pferden und in der Politik.
Alice Weidel (vorne rechts) in der Sitzung des Bundestags zu Beginn der Haushaltswoche, 08.09.2026 © dpa
Unsere Highlights heute
Cybersecurity-Experte Sandro Gaycken zum Hacker-Angriff in Berlin.
25 Jahre nach dem 11. September: Die neuen Wege der Terror-Netzwerke.
Neue Studie: Wie viel Prozent der Verteidigungsschulden zweckentfremdet wurden.
Datenleck in Berlin
Berlin hat ein Datenproblem, vor allem was den Schutz der Daten angeht. Fünf Tage lang war jemand unbemerkt im Netz der Berliner Stadtverwaltung unterwegs. Konkret betroffen waren die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen und die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.
Der Zutritt gelang nicht über eine versteckte Sicherheitslücke oder eine Geheimdienstoperation, sondern über das Phishing-Prinzip, bei dem sich Kriminelle in gefälschten E-Mails, Nachrichten oder Websites als vertrauenswürdige Stellen ausgeben.
Die Hacker forderten 30 Bitcoin vom Berliner Senat, was rund zwei Millionen Euro entspricht, oder sie würden die erbeuteten Daten veröffentlichen. So kam es letztendlich auch. Der Tagesspiegel hat den Großteil der rund 1,5 Millionen veröffentlichten Dateien ausgewertet:
Im Datensatz liegen Unterlagen zu kritischer Infrastruktur. Dienstliche E-Mail-Postfächer aus hohen Senatsebenen. Und höchstpersönliche Gesundheitsdaten, zum Beispiel Schwerbehindertenausweise.
Wie sensibel die Dokumente sind, lässt sich anhand der Dateinamen nur erahnen. 10.375 tragen das Wort „vertraulich“, 259 verweisen auf kritische Infrastruktur, 47 auf Geheimhaltung.
Die entscheidende Frage: Wie kann das sein?
Einer, der das beantworten kann, ist Sandro Gaycken. Er ist Cybersecurity-Experte und Gründungsdirektor des Digital Society Institute. Mit seiner Expertise berät bzw. beriet er den Bundestag, die Bundesanwaltschaft, Ministerien, Unternehmen und internationale Organisationen. Für die Nato arbeitete er zu nationalen Cyberdefense-Strategien.
Im Morning Briefing Podcast sagt Gaycken:
„Diese Angriffe kann man eigentlich nicht so richtig verhindern, in erster Instanz zumindest nicht. Es gibt immer irgendeinen, der klickt auf den Quatsch und dann ist es zu spät.“
Der Senat hat die Dokumente als unkritisch eingestuft. Richtig oder falsch? Er sagt: „Wir gehen davon aus, dass die kritischen Infrastrukturen, die auf Landesebene betrieben werden, sowieso so schlecht geschützt sind, weil keiner Ahnung hat, wie man das macht. Also ob die Daten jetzt jemand kennt oder nicht, ist eigentlich relativ egal.“
Sein vernichtendes Fazit auf die Frage, ob sich beim Thema digitale Sicherheit etwas ändert:
„Alle reden mal wieder ein bisschen hektisch und dann gibt man 100 Euro mehr aus und im nächsten Jahr wieder nicht, aber da änderte sich nie irgendetwas. Aber es ändert sich vor allen Dingen auch nichts in den Mentalitäten der Entscheider.“
Aus der Hauptstadt
Heute um 12:30 Uhr gilt es: Im Bundestag geht die erste Lesung des Bundeshaushalts 2027 in die Schlussrunde. Danach sollen sämtliche Einzelpläne zur weiteren Beratung an den Haushaltsausschuss überwiesen werden.
Hier droht Kanzler Merz die nächste Baustelle: Meine Kollegen Julia Kanning und Christian Schlesiger haben sich in der Union umgehört. Sie kennen die drei Punkte, die die CDU-Haushälter an Klingbeils Haushalt empören. Welche drei Punkte das sind, lesen Sie im heutigen Hauptstadt Briefing.
Außerdem:
Gordon Schnieder gegen Rentenpläne: „So sollten wir mit den Menschen nicht umgehen.“
Neue Flugrechte für Emirates: Friedrich Merz brüskiert Boris Rhein und Markus Söder.
Neue Terrorwege
Heute vor 25 Jahren töteten Terroristen der al-Qaida in New York, Washington und Pennsylvania fast 3.000 Menschen. Seitdem gehört die Sorge vor islamistischem Terror in Deutschland immer wieder zur öffentlichen Debatte.
Eine Infografik mit dem Titel: Die deutsche Angst vor dem Terror
Anteil der Deutschen, die „große Angst" vor Terroranschlägen haben, in Prozent
Der US-Think-Tank Council on Foreign Relations (CFR) hat analysiert, wie sich islamistische Terrornetzwerke heute neue Technologien und Medien zunutze machen. Sein Befund:
Im Vierteljahrhundert seit 9/11 war die mit Abstand auffälligste Veränderung in diesem Feld das Aufkommen der sozialen Medien.
Mit der Anwerbung von Terrorkämpfern über das Internet sei nicht al-Qaida selbst, sondern vor allem ihre noch radikalere Abspaltung, der Islamische Staat zum Beispiel, zum internationalen Terrornetzwerk geworden: 53.000 Kämpfer aus 80 Ländern habe der IS rekrutiert.
Gerade das Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Sozialen Medien identifiziert der Bericht als neue Bedrohung:
KI ermöglicht es Extremisten, spezifische Subkulturen in den sozialen Netzwerken zu identifizieren, um Zielgruppen extrem passgenau und wirkungsvoll anzusprechen.
Ableger des Islamischen Staates (IS) setzen KI ein, um manipulierte Medieninhalte wie Deepfakes zu erstellen.
Diese neue Strategie scheint bei Minderjährigen in Europa zunehmend zu verfangen.
Eine Infografik mit dem Titel: Mehr minderjährige IS-Terroristen in Europa
IS-Anschlagspläne in Europa unter Beteiligung Minderjähriger
Beunruhigend: Im neuesten Global Terrorism Index verzeichnet Deutschland den höchsten Wert Westeuropas. Der Index bewertet Länder anhand der Auswirkungen des Terrorismus in den letzten fünf Jahren und verwendet dabei Indikatoren wie die Anzahl der Zwischenfälle, Todesopfer, Verletzten und Geiseln.
Die nächsten Wahlen …
Am 20. September, also in weniger als zehn Tagen, stehen die nächsten Wahlen an: In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Hier hat die AfD keine Chance auf die absolute Mehrheit und damit auch keine Chance auf die Regierungsbildung.
Laut der ARD-Umfrage konnte die SPD vor allem in Mecklenburg-Vorpommern weiter aufholen.
Eine Infografik mit dem Titel: AfD: Keine Regierungsbildung
Wahlumfragen zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin und Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, in Prozent
Zweckentfremdung der Schulden
Fast 40 Prozent der zusätzlichen Schulden für Verteidigung und Sicherheit, die der Bund 2025 aufgenommen hat, wurden zweckentfremdet. Das zeigt eine neue Analyse des ifo Instituts.
Die Zahlen: Die im Rahmen der Bereichsausnahme für Verteidigung und Sicherheit zusätzlich aufgenommenen Schulden beliefen sich 2025 auf 28,6 Milliarden Euro. 11 Milliarden Euro davon – also 38,5 Prozent – wurden im Kernhaushalt für andere Zwecke genutzt.
Die Idee dahinter: Die Bereichsausnahme sollte dem Bund ab 2025 ein Werkzeug geben, die Schuldenbremse zu umgehen: Alle Ausgaben über ein Prozent des BIP dürfen durch Schulden finanziert werden – allerdings nur für Verteidigungsausgaben, Ukrainehilfe und weitere Sicherheitsthemen.
Der Konstruktionsfehler: Das Problem liegt an der 1-Prozent-Regel selbst: Der Teil der Verteidigungsausgaben, der schon vor Einführung der Bereichsausnahme 2025 über ein Prozent des BIP lag und bislang aus dem regulären Haushalt finanziert wurde, kann nun stattdessen mit Schulden finanziert werden. Dadurch wird im Kernhaushalt Geld frei, das vorher für diese Ausgaben gebunden war – und das nun für andere Zwecke zur Verfügung steht.
Fazit: Hätte ifo-Chef Clemens Fuest, der die Schuldenaufnahme damals der Regierung empfahl, diesen Missbrauch geahnt, wäre er wohl besser stumm geblieben. Der Professor hat die Augenblicksgier der Regierung unterschätzt.
Kapitalmarkt-Update
Zum Börsenschluss standen die Aktienmärkte erneut unter Druck: Der S&P 500 verlor 0,6 Prozent, der Nasdaq 0,65 Prozent und der DAX 0,8 Prozent. Der US-Ölpreis WTI stieg um mehr als sieben Prozent auf rund 103 US-Dollar je Barrel, Brent notierte bei 108,4 US-Dollar je Barrel.
Auch in Asien dominieren am Morgen die Verluste: Der Nikkei verliert 2,8 Prozent, der Kospi 2,5 Prozent und der Hang Seng 1,1 Prozent. Die US-Futures zeigen dagegen bislang keine weitere deutliche Verschärfung: Dow-Futures liegen rund 0,1 Prozent im Plus, Nasdaq-Futures 0,3 Prozent im Minus, S&P-500-Futures nahezu unverändert.
Berichtssaison:
Adobe: Der Softwarekonzern steigerte den Quartalsumsatz gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf den Rekordwert von 6,8 Milliarden US-Dollar. Die Abonnementerlöse legten um 14 Prozent auf 6,6 Milliarden US-Dollar zu, während die jährlich wiederkehrenden Erlöse zum Quartalsende 27,5 Milliarden Dollar erreichten. Besonders wichtig für die KI-Debatte: Adobes wiederkehrende Erlöse mit den sogenannten AI-first-Produkten wuchsen um mehr als 150 Prozent, gleichzeitig überschritt der Konzern erstmals eine Milliarde monatlich aktiver Nutzer.
Oracle: Deutlich stärker fiel das Wachstum bei Oracle aus. Der Umsatz sprang um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar, die Cloud-Erlöse sogar um 62 Prozent auf 11,6 Milliarden. Das Geschäft mit Cloud-Infrastruktur, in dem Oracle seine Rechenleistung für KI-Anwendungen verkauft, wuchs um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand erreichte 664 Milliarden Dollar, nachdem allein im Quartal mehr als 30 Milliarden Dollar neue KI-Cloud-Verträge hinzukamen. Der Preis des Wachstums bleibt allerdings hoch: Oracle investierte allein im Quartal 28,5 Milliarden Dollar.
Was die Märkte bewegt:
EZB: Die Europäische Zentralbank erhöhte den Einlagensatz wie erwartet um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent und damit zum zweiten Mal in diesem Jahr. Für 2026 erwarten die Währungshüter weiterhin eine durchschnittliche Gesamtinflation von drei Prozent und 2,5 Prozent im kommenden Jahr.
US-Produzentenpreise: Der Preisdruck auf Unternehmensebene zieht wieder an. Die Produzentenpreise stiegen im August um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, etwas stärker als erwartet.
US-Zinsen: Der Ausverkauf am US-Anleihemarkt setzt sich fort. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg auf knapp fünf Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2023. Die 30-jährige Rendite erreichte sogar ein 19-Jahres-Hoch. Neben den hohen Ölpreisen treibt auch Trumps Versprechen von 5.000-Dollar-Schecks für erwachsene Amerikaner die Renditen, da es das US-Defizit um mehr als eine Billion Dollar erhöhen könnte. Am Markt wird inzwischen mit rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung der Fed in der kommenden Woche eingepreist.
TSMC: Der KI-Boom kommt beim wichtigsten Auftragsfertiger der Chipindustrie weiterhin mit voller Wucht an. Der August-Umsatz von TSMC sprang um 53,3 Prozent auf umgerechnet 16,3 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage ist so hoch, dass der Konzern gleichzeitig an rund 20 neuen Fabriken arbeitet.
Pioneer Expedition
Saudi-Arabien baut radikaler um als jedes andere Land im Nahen Osten. Mit der Vision 2030 wandelt sich das Königreich vom Ölstaat zum diversifizierten Wirtschafts- und Tech-Standort – Hunderte Milliarden Dollar fließen in neue Städte, Infrastruktur und Industrie, und das Land wirbt aktiv um westliches Kapital und Know-how.
Gleichzeitig positioniert es sich geopolitisch neu, als Gastgeber der Future Investment Initiative, zu der jedes Jahr die einflussreichsten Investoren und Politiker der Welt anreisen. Wer verstehen will, wohin sich globale Kapitalströme und Machtverhältnisse verschieben, kommt an Saudi-Arabien nicht mehr vorbei.
Die Pioneer-Delegation im Wirtschaftsministerium in Saudi-Arabien © The PioneerGenau deshalb reisen wir vom 28. Oktober bis 2. November erneut hin – nach Riad und Dschidda, begleitet von Chelsea Spieker, mit direktem Zugang zu den Köpfen hinter der Transformation.
Bewerben Sie sich für einen der begrenzten Plätze über https://expedition.thepioneer.de/saudi-arabien oder melden Sie sich direkt bei Elisa Reinlein-Mertens, unserer Head of Expedition: expedition@mediapioneer.com
Nur wer vor Ort ist und in den Austausch tritt, kann sich ein echtes Urteil bilden.
New York Fashion Week
Es ist die einzige Modewoche außerhalb Europas, die es in die „Big Four“ der Fashion Weeks geschafft hat: Die New York Fashion Week feierte gestern ihren offiziellen Beginn. Eröffnet wurde die Woche am Vorabend, als der 86-jährige Designer Ralph Lauren seine Frühjahrskollektion für das Jahr 2027 präsentierte.
Ralph-Lauren-Eröffnungsshow der New York Fashion Week, 09.09.2026 © dpaRalph Lauren bei der Eröffnungsshow der New York Fashion Week, 09.09.2026 © dpaNeu in diesem Jahr: Zum ersten Mal gilt für die gesamte Fashion Week ein umfassendes Pelzverbot. Die Londoner Fashion Week führte das schon 2018 ein, auch in Mailand gelten ab diesem Jahr entsprechende Leitlinien. Nur in Paris bleibt Pelz en vogue – und das, obwohl die Tierschutzorganisation Peta seit Jahrzehnten öffentlichkeitswirksame Kampagnen gegen die Pelzverarbeitung in der Modeindustrie fährt.
Peta-Kampagne aus den 1990er-Jahren mit Model Christy Turlington © PetaDie Geburtsstunde der New Yorker Modewoche liegt mitten im Zweiten Weltkrieg. 1943, als die Vertreter der amerikanischen Modeindustrie nicht mehr nach Paris reisen konnten, organisierte die Modejournalistin Eleanor Lambert die damals noch sogenannte „Press Week“ in New York.
Zum ersten Mal standen amerikanische Designer im Zentrum der Aufmerksamkeit, die die Journalisten bis dahin übersehen hatten. Der Plan ging auf: Selbst die Vogue, in der sonst fast ausschließlich französische Entwürfe zu sehen waren, zeigte plötzlich US-Mode.
Show des New Yorker Labels „Bad Binch Tongtong“ auf der New York Fashion Week, 10.09.2026 © Instagram/hautelemodeInzwischen präsentiert die Fashion Week über 70 Kollektionen vor weit über 100.000 Besuchern. Laut Statista setzte die gesamte Bekleidungsindustrie weltweit rund 1,6 Billionen Euro um. Mode ist eben mehr als Bekleidung, ein Statement, ein Gefühlsausdruck, ein Statussymbol. Oder wie die Prada-Erbin Miuccia Prada sich ausdrückte:
Mode ist eine Sprache, die sofort verstanden wird.
Ich wünsche Ihnen einen unbekümmerten Start in das Wochenende. Bleiben wir einander gewogen. Herzlichst grüßt Sie,
Ihr