Juli Zeh spricht mit Elisa Hoven über „Feine Risse“
The Pioneer Literatur-Podcast Edle Federn.
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Was macht einen Menschen zum Täter? Und kann das Recht Gerechtigkeit schaffen – oder nur den Versuch, sie wiederherzustellen? In dieser Folge von „Edle Federn” spricht Juli Zeh mit der Schriftstellerin, Strafrechtsprofessorin und Verfassungsrichterin Elisa Hoven über ihren neuen Roman „Feine Risse“.
Wie schon in ihrem Erfolgsroman Dunkle Momente erzählt Hoven von realitätsnahen Kriminalfällen, doch sie interessiert sich nicht für einfache Urteile. Stattdessen richtet sie den Blick auf das, was Verbrechen vorausgeht: auf Lebensgeschichten, Zwänge und moralische Grauzonen. Gemeinsam sprechen Juli Zeh und Elisa Hoven darüber, warum Täter selten Monster sind, weshalb unser Bild von Recht oft von amerikanischen Gerichtsserien geprägt ist und wie Literatur helfen kann, das deutsche Strafrecht verständlicher zu machen.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen große Fragen: Gibt es das Böse überhaupt? Und warum sehnen wir uns nach einer klaren Trennung zwischen Gut und Böse? Wie viel Wahrheit lässt sich in einem Gerichtsverfahren tatsächlich finden? Dabei wird deutlich, warum Hovens Bücher keine klassischen Krimis sind, sondern literarische Erkundungen von Schuld, Verantwortung und Menschlichkeit.
Juli Zeh sagt über das Buch:
„Die wichtigste Frage dieses Romans lautet vielleicht nicht, warum und wie werden Menschen straffällig und wie geht die Gesellschaft damit um. Sondern: Wie schreiben wir eigentlich die Geschichten unseres Lebens? Wenn wir von uns selbst erzählen, bauen wir oft eine Kette aus Großereignissen. Aber wenn man genau hinschaut, beginnen entscheidende Veränderungen eigentlich selten mit einem Knall. Sie beginnen mit kaum sichtbaren Rissen, mit Gedanken, die sich festsetzen, mit kleinen Verschiebungen, die lange unbemerkt bleiben, mit Zufällen, die eine ganze Kette von Ereignissen in Gang setzen, mit Erfahrungen, die erst Jahre später ihre Wirkung entfalten. Präzise spürt Elisa in feine Risse genau solchen Entwicklungen nach.“
Ein Gespräch über Recht und Gerechtigkeit, über Täter und Opfer – und darüber, warum Verstehen niemals dasselbe ist wie Verzeihen.