Krieg in der Ukraine: Wie gefährlich ist Tschernobyl?

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Gleich am ersten Tag ihres Vormarschs in der Ukraine haben russische Truppen die Atomruine von Tschernobyl erobert. Sogleich machten Meldungen über erhöhte Strahlenwerte die Runde. Welche Nuklear-Gefahren birgt der Krieg? Antworten von Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Frau Dr. Paulini, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie hörten, Russland habe den zerstörten Reaktor von Tschernobyl erobert?

Dr. Inge Paulini: Diese Nachricht hat mich genauso besorgt wie viele andere. Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl am 26. April 1986 sind große Mengen an Radioaktivität ausgetreten und über Europa verteilt worden. Vor allem im unmittelbaren Umfeld des Reaktors sind auch heute noch radioaktive Stoffe abgelagert, deswegen gibt es dort eine Sperrzone mit einem Radius von 30 Kilometern. Dort wohnt zwar so gut wie niemand mehr, aber das Gebiet ist sehr sensibel.

Wann war Ihr Team zuletzt dort?

Paulini: Eine große Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) war erst im letzten Herbst dort. Wir haben gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort sehr intensive Messungen durchgeführt, um die Kartierung der Strahlungswerte in der Sperrzone zu aktualisieren.

Dr. Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz. © BILDKRAFTWERK/Holger Kohl

Nach der Eroberung Tschernobyls wurde von dort erhöhte Strahlung gemeldet. Sind die Werte besorgniserregend? Sind sie überhaupt verlässlich?

Paulini: Vorneweg möchte ich festhalten: Radiologische Auswirkungen auf Deutschland sind nach dem Stand der verfügbaren Informationen nicht zu befürchten. Nach allem, was wir wissen, ist keine Radioaktivität ausgetreten - weder in Tschernobyl noch an anderen Stellen in der Ukraine. Bisherige Meldungen über erhöhte Strahlung in der Sperrzone von Tschernobyl waren nicht unabhängig zu überprüfen. Wir können nicht ausschließen, dass es sich tatsächlich um erhöhte Werte oder aber um Fehlmeldungen, um Fehlübertragungen oder sogar um Manipulationen handelt. Das sind keine Werte, die wir für verlässlich halten.

Wie gelangt Ihre Behörde an verlässliche Informationen?

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