Die Kanzlerin und die Frauenfrage: Angela Merkel: Die Überraschungsfrau

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Angela Merkel startete ihre politische Karriere als Frauenministerin. Sie wurde Kanzlerin - und tritt nun als erste und vorerst einzige Frau in diesem Amt ab. Wie prägte Merkels Frausein ihre Politik - und was erreichte sie für die Frauen im Land? Eine Erkundung mit Weggefährtinnen.

Am Ende steht ein Bekenntnis weiblicher Selbstermächtigung.

„Ich kann mich nicht fügen

Kann mich nicht begnügen

Will immer noch siegen

Will alles, oder nichts“

So heißt es in Hildegards Knefs Lied Für mich soll’s rote Rosen regnen, das sich Angela Merkel zu ihrem Abschied gewünscht hat. Als eines von drei Musikstücken ihrer Serenade beim Großen Zapfenstreich.

Während das Stabsmusikkorps spielt, wiegt die scheidende Kanzlerin den Kopf. Sollte Merkel leise mitsummen, nimmt die Kamera keine Notiz davon.

Knefs Rote Rosen und der Farbfilm der ostdeutschen Punk-Ikone Nina Hagen, auch er ein Musikwunsch Merkels, setzen im Fackelschein vor dem Bendlerblock einen unverhofft femininen Schlusspunkt hinter diese Kanzlerschaft. Unverhofft, weil Merkel in ihrer gesamten politischen Biografie große Mühe darauf verwandt hat, nicht auf ihr Frausein festgelegt zu werden.

Nicht im Stil ihres Auftritts und nicht im Inhalt ihrer Politik.

Angela Merkel beim Großen Zapfenstreich zu ihrem Abschied nach 16 Jahren Kanzlerschaft. © Imago

Doch spätestens bei der Verabschiedung der 67-jährigen Staatsfrau mit dem militärischen Zeremoniell des Zapfenstreichs zeigt sich: Merkel hat das Bild von Macht um weibliche Facetten erweitert.

Aber wie sieht es jenseits der Symbolik aus? Was hat die erste und vorerst einzige Bundeskanzlerin für die Frauen im Land erreicht?

Es ist eine Frage, die auf die Anfänge der politischen Karriere Angela Merkels verweist, auf die frühen neunziger Jahre.

Kanzler Helmut Kohl zerteilt das Ministerium für Jugend, Familie, Gesundheit und Frauen in drei Ressorts. Es ist Kohls Art, dem wachsenden gesellschaftlichen Wunsch nach größerer Sichtbarkeit von Politikerinnen gerecht zu werden - ohne den Frauen allzu viel Macht geben zu müssen. Das in Etat und Kompetenzen besonders schmale Ministerium für Jugend und Frauen schlägt er Ende 1990 Angela Merkel zu, gerade erst in den Bundestag gewählte CDU-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Stralsund - Rügen - Grimmen.

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