Deutschlands neue Regierung: Außenministerin Baerbock: Über den Wolken

 © dpa

Sieben Tage, sechs Reisen, fünf Städte: Annalena Baerbock hat ihre erste Woche als neue Außenministerin hinter sich. Wie Baerbock das Amt prägt - und das Amt sie.

Stockholm ist an diesem Dienstagvormittag in trübes Grau gehüllt. Schwer zu sagen, ob die Sonne noch nicht ganz aufgegangen ist über der schwedischen Hauptstadt oder schon wieder untergeht.

In ihrem roten Mantel setzt Annalena Baerbock einen beinahe grell wirkenden Farbakzent, als sie aus der schweren Tür des schwedischen Außenministeriums tritt und zu den Journalisten auf den Vorplatz kommt.

„Nukleare Abrüstung“, spricht Baerbock in die Mikrofone, „das ist für die neue Bundesregierung eines der zentralen Themen.“

Baerbock hat sich soeben mit der schwedischen Außenministerin Ann Linde beraten; für den Nachmittag ist ein halbvirtuelles Treffen mit Vertretern von 16 Staaten geplant, die Teil der abrüstungspolitischen Stockholm-Initiative sind.

Erstmal ein Selfie: Annalena Baerbock und ihre schwedische Amtskollegin Ann Linde vor Beginn eines Treffens der „Stockholm Initiative“ zur nuklearen Abrüstung. © dpa

Nach ihrer Antrittstour in Paris, Warschau und Brüssel hätte sich Baerbock auch ein paar Tage Zeit nehmen können, um ihr Ministerium kennenzulernen. Sie hätte nach diesem langen Wahljahr auch allmählich die Weihnachtspause einläuten können. Stattdessen aber hat die Grünen-Politikerin ausgerechnet das heikle Thema der Atomwaffenkontrolle auf ihre Agenda gehoben.

Baerbock will Akzente setzen. In farblicher, vor allem aber in politischer Hinsicht.

In der Frühphase des Wahlkampfs war die Außenpolitik das Profilierungsfeld der Kanzlerkandidatin Baerbock. Sie versprach eine „aktive“ und „wertegeleitete“ Außenpolitik und mahnte "Dialog und Härte“ gegenüber Russland und China an.

So kündigte die Wahlkämpferin Baerbock an, die Gaspipeline Nord Stream 2 nicht in Betrieb nehmen, keine Waren aus chinesischer Zwangsarbeit in die EU importieren, das „absurde“ Zwei-Prozent-Ziel der Nato reformieren zu wollen.

Was folgt aus den Ankündigungen der wahlkämpfenden Baerbock für die Außenministerin Baerbock? Wie vertragen sich grüner Anspruch und raue Wirklichkeit?

Annalena Baerbock bei einem Wahlkampfauftritt in Leipzig. © Imago

Im Mittagsgrau von Stockholm vermittelt Baerbock einen ersten Eindruck von dem Drahtseilakt, der das Amt der deutschen Chefdiplomatin sein kann.

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