Neue Regierungsbeauftragte Zarah Bruhn: "Bei sozialen Innovationen ist Deutschland schwach"

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Zarah Bruhn ist Sozialunternehmerin. Mit ihrer Firma socialbee vermittelt sie Flüchtlinge an Arbeitgeber. Nun hat die Bundesregierung sie zur Beauftragten für soziale Innovationen berufen. Was hat sie vor?

Soziale Innovation hört sich toll an. Die wenigsten werden aber etwas mit dem Begriff anfangen können. Was verstehen Sie darunter?

Bruhn: Es geht darum, soziale Praktiken oder soziale Organisationsformen zu fördern. Und das immer mit dem Ziel, Herausforderungen für die Gesellschaft tragfähiger zu machen.

Dinge, die wir normalerweise mit dem Sozialstaat verbinden, der Mindestlohn oder die Rente mit 63, gehören nicht dazu. Oder?

Bruhn: Nein, ganz und gar nicht. Sagen wir es mal so: Soziale Innovationen sind ein Motor für die Gesellschaft. Es geht dabei nicht darum, im Sozial- oder im Wirtschaftsministerium irgendwelche Dinge in Frage zu stellen. Aber eines stimmt schon: Der Staat kann nicht alles besser.

Deutschland hat einen Sozialstaat mit Tradition und vielen Institutionen - sind wir eigentlich eher gut oder eher schlecht, wenn es um soziale Innovationen geht?

Bruhn: Ich bin selbst Social Enterpreneurin. Und ich weiß, wie schwer es ist, in diesem Bereich zu gründen. Wir gehen dorthin, wo der Staat noch nicht ist und noch nicht effizient genug unterstützt. Dabei entwickeln wir Lösungen und Modelle mit dem Ziel, sich irgendwann wieder abzuschaffen: Zum Beispiel, weil das Problem gelöst ist. Deutschland ist bei sozialen Innovationen relativ schwach aufgestellt.

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