Logbuch Expedition #1: BASF-CEO und Wahlkampf : "Dann scheitern wir krachend"

 © Anne Hufnagl

Start unserer Deutschlandreise zur Bundestagswahl. An Bord warnt der Vorstandschef des größten Chemieunternehmens der Welt, BASF-CEO Martin Brudermüller, die Politik vor einer Klimawende ohne Plan. Bei einer Rundfahrt diskutieren Pioneers, CDU- und SPD-Politiker über den Wahlkampf.

Wo steht Deutschland zwei Wochen vor der Bundestagswahl?

Und wo geht die Reise hin nach dem 26. September?

Darum geht es bei unserer Expeditionsreise mit der Pioneer One, die an diesem Samstag im Südwesten der Republik, beim größten Chemieunternehmen der Welt, BASF, beginnt.

Hier sehen Sie den Tag 1 unserer Deutschlandreise im Video:

Mit dem Vorstandsvorsitzenden Martin Brudermüller spricht ThePioneer-Gründer Gabor Steingart über das Thema, das die Zukunft dieses Industrielands maßgeblich bestimmen wird: Schaffen wir ohne Wohlstandsverluste die ökologische Transformation der Wirtschaft?

Und wenn ja, wie geht das?

Martin Brudermüller, Chef der BASF an Bord der Pioneer One in Ludwigshafen.  © Anne Hufnagl

Zunächst durften aber unsere Pioneers, unsere Leserinnen und Leser an Bord kommen:

9:30 - 11:00 Uhr | Community Cruise mit Gabor Steingart und Franziska von Haaren

Um 9.30 Uhr bittet das Pioneer-Eventteam rund um Tatjana Westphal zum ersten Onboarding. Für viele Leserinnen und Leser ist es eine Premiere an Bord.

Das Interesse an einer Schiffsführung mit Gabor Steingart ist groß. Das Podcast-Studio im Heck des Schiffs, die kleine VIP-Kabine mit Bad, der Maschinenraum mit dem Elektromotor, der Generator zum Aufladen der Batterie - alles wird sorgsam inspiziert.

Extra für die Reise wurde ein Radar eingebaut, der bei nebligem Wetter unseren Schiffskapitänen Kai Köhler und Manu Hollatz als Navigationsgerät dient.

Gabor Steingart erklärt die Ausmaße des Medienschiffes:

40 Meter Länge, 7 Meter Breite und Batterien mit Strom für sechs Stunden Fahrt.

Danach löst die Crew die Taue am Dock und die Pioneer One läuft zur ersten Rundfahrt auf dem Rhein aus.

Im Bauch des Schiffs, dem Newsroom, gibt Morning Briefing-Redaktionsleiterin Franziska von Haaren vor rund 30 Pioneers einen Einblick in die Entstehung des Newsletters.

600.000 Leserinnen und Leser pro Tag, und ein Autor, der bis spät in die Nacht an Formulierungen feilt. Dazu ein Team von Grafikern, die aus Zahlen und Daten anschauliche visuelle Botschaften machen, bevor der Newsletter um 6 Uhr schließlich an die Leserinnen und Leser in ganz Deutschland verschickt wird.

Community Cruise in Ludwigshafen.  © ThePioneer

Frage aus dem Publikum:

Was meint Gabor Steingart eigentlich mit “Kern vom Kern”?

Es ist eine von Steingarts Lieblings-Formulierungen. Er meint damit das journalistische Herausarbeiten des Essenziellen einer Information, erklärt Gabor Steingart. Darauf komme es angesichts der Vielzahl von Deutungen und Interpretationen der Kommunikationsberater von Politik und Wirtschaft heute besonders an.

Beim Talk auch dabei ist der stellvertretende Chefredakteur Gordon Repinski, der das politische Geschehen zwei Wochen vor der Bundestagswahl einordnet und erklärt, worauf es bei dem Newsletter Hauptstadt - Das Briefing ankommt, der täglich Nachrichten aus der Berliner Republik bietet und nur für zahlende Pioneers zur Verfügung steht (thepioneer.de/hauptstadt).

Keine Meinung, nur News, erklärt Repinski. Ein Blick hinter die Kulissen der Hauptstadt mit einem Fokus auf die konkrete Regierungsarbeit.

Pflichtlektüre für jene, die wissen müssen, was morgen in der Politik entschieden werden könnte.

Gordon Repinski im Gespräch mit Pioneers © Bojan Jurczyk

12:00 - 15:30 Uhr | Redaktionszeit an Bord

Social Media-Redakteurin Jette Froberg bearbeitet ihre Fotos und Videos und bringt den ersten Tag auf der Pioneer in die sozialen Netzwerke, die Podcast-Redakteure Stefan Lischka und Laura Block planen die Themen und Gesprächspartner der kommenden Woche, während Crew-Mitglied Vanessa Böder in die Rolle des Schiffskochs schlüpft und eine Lasagne für die Mannschaft kocht.

16:00 - 18:00 Uhr | Morning Briefing Live mit Gabor Steingart und Martin Brudermüller

Höhepunkt des ersten Tages: Um 16.30 Uhr trifft BASF-CEO Martin Brudermüller auf der Anlegestelle ein und wird von Gabor Steingart zur Bühne im Bug des Schiffes geführt.

Los geht es mit dem Talk vor rund 50 Pioneers.

Gabor Steingart im Gespräch mit Martin Brudermüller an Bord der thePioneer One © Anne Hufnagl

Brudermüller, Chef eines Unternehmens, das über sechs Terawattstunden (TWh) Strom pro Jahr am Standort Ludwigshafen (15 bis 20 Prozent der Kosten sind Energie) verbraucht und damit gut ein Prozent des gesamten deutschen Verbrauchs, macht sich Sorgen um die eine ambitionierte Klimawende, die im Alltag der Bürokratie und des fehlenden Ausbaus von Leitungen und Netzen stecken bleibt.

Für den Umbau der Industrie zu einer fossil-freien Produktion brauche es deutlich mehr Strom. Und da dieser auch noch aus grünen Quellen kommen soll, sei dies eine große Herausforderung, sagt Brudermüller.

Knapp 15 bis 20 Prozent der Betriebskosten der BASF seien Energiekosten, erklärt Brudermüller. Bisher vorrangig aus fossilen Quellen.

Alleine der Umbau des Werkes in Ludwigshafen auf reine Öko-Energie hätte massive Auswirkungen:

"Der Strombedarf für unser Werk wird sich vervierfachen oder verfünffachen. Das wären 10 Prozent des gesamten Energiebedarfs Deutschlands."

BASF-Werk in Ludwigshafen.  © imago

Der Top-Manager ist gekommen, um Klartext zu sprechen in Richtung Politik. Mit dem bisherigen Tempo beim Ausbau der Stromnetze und der erneuerbaren Energien werde der klimaneutrale Umbau der Industrie schlicht nicht zu schaffen sein.

"Wir sind davon meilenweit weg, und wenn wir weiter so machen wie bisher, scheitern wir krachend."

An die Politik hat der 60-jährige Chemiker auch noch ein paar aktuelle Wünsche.

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet solle mal raus aus dem "müden Wahlkampf", der CSU-Chef Markus Söder sich etwas zurückhalten und die EU-Kommission Pläne für einen Green New Deal vorlegen, die auch mit der Industrie und den Unternehmen, die sie umsetzen müssen, besprochen werden.

An diesem Dienstag können Sie Auszüge aus dem Gespräch im Morning Briefing Podcast hören, am kommenden Wochenende veröffentlichen wir dann das gesamte, fast 60-minütige Gespräch als hochwertig produziertes Morning Briefing Spezial auf thepioneer.de und in ihrer Podcast-App.

Rheinland-Pfälzisches CDU-SPD-Wahlkampfduell zum Ausklang

Bei einem kühlen Glas Grauburgunder aus dem Rheingau und einem herzhaftem Buffet gibt es für die Pioneers am Abend auf dem Freideck viel zu besprechen.

Offener Ausklang an Deck nach dem Morning Briefing Live mit Martina Brudermüller.  © Anne Hufnagl

Themen an den Stehtischen sind die zukünftige Versorgung mit klimafreundlichen Strom, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und immer wieder die zähen Prozesse in der Politik.

Damit wird auch der rheinland-pfälzische SPD-Digitalminister Alexander Schweitzer konfrontiert, der um 18 Uhr zusteigt und mit den Pioneers über die politischen Rahmenbedingungen für die geforderte ökologische Transformation diskutiert.

"Ja, wir müssen uns zwischen Europa, Bund und Ländern enger abstimmen und schneller werden", räumt der SPD-Politiker ein, der als möglicher Nachfolger der SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer gilt.

Sein potentieller Gegenkandidat, der CDU-Fraktionschef im Landtag, Christian Baldauf, kommt eine Stunde später direkt von einer Wahlkampfveranstaltung an Bord.

Christian Baldauf (CDU), Martin Brudermüller (BASF-CEO) und Digitalminister Alexander Schweitzer (v.l.). © Anne Hufnagl

Trotz des schärfer werdenden Wahlkampfs und der jüngsten Attacken des Kanzlerkandidaten Armin Laschet gegen die SPD ist die Stimmung zwischen den beiden gut, man kennt sich lange, man duzt sich und frotzelt.

Während SPD-Mann Schweitzer mit einem klaren Wahlsieg von Olaf Scholz rechnet, glaubt Baldauf an die Trendwende für die Union.

"Abwarten, wir drehen das Ding noch", sagt er.

Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der in der Nähe von Ludwigshafen eine Veranstaltung absolviert hat, kommt am Abend zugestiegen und gibt sich betont siegessicher, ohne überheblich zu wirken.

"Es sieht gut für uns aus."

Um kurz vor 21 Uhr ist Feierabend, die Crew legt das Schiff an, Video-Chefin Noemi Mihalovici und Fotografin Anne Hufnagl sucht die besten optischen Szenen für dieses Logbuch aus.

Unser Video können Sie selbstverständlich auch hier auf YouTube sehen.

Ich freue mich, wenn sie morgen wieder mit dabei sind.