Die Grünen: Was wird aus Cem Özdemir?

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Cem Özdemir galt als Politiker von gestern - bis er bei der Bundestagswahl grüner Erststimmenkönig wurde. Bei seinem Erfolg und seiner Beliebtheit müsste er als Minister in einer Ampel-Koalition eigentlich gesetzt sein - zumal bei den auf Vielfalt bedachten Grünen. Doch Özdemir muss kämpfen.

Am Abend des 26. September ist Cem Özdemir plötzlich kein Grünen-Politiker mehr aus der Vergangenheit.

Bei der Bundestagswahl gelingt dem 55-Jährigen ein spektakuläres Comeback. In seinem Wahlkreis, der Autostadt Stuttgart, gewinnt Özdemir mit 40 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Erststimmenkönig im gesamten Südwesten. Bundesweit schneidet kein Grünen-Direktkandidat besser ab als Özdemir, nicht einmal die Kandidatin im Grünen-Biotop Kreuzberg-Friedrichshain.

Özdemir, der Mann der Mehrheit.

Er ist der erfolgreichste Grünen-Politiker des Landes. Zu den beliebtesten und prominentesten zählt er auch. Aber ein Platz im künftigen Ampel-Kabinett ist Özdemir keineswegs gewiss.

Der Mann der Mehrheit hat in seiner eigenen Partei, den Grünen, nur eine Minderheit hinter sich.

Dennoch bringt er sich jetzt in Stellung für ein Regierungsamt. Damit zwingen er und seine Fürsprecher die Grünen auch zum Nachdenken darüber, ob ausgerechnet sie, die doch Vielfalt leben wollen, bei der Verteilung von Macht und Einfluss den Mann mit dem türkischen Namen übergehen können.

Was wird aus Cem Özdemir? Die Frage ist von grundsätzlicher Natur. Sie rührt ans Selbstverständnis eines Politikers, einer Partei, einer Gesellschaft.

Cem Özdemir am Wahlabend in Berlin. © Imago

Özdemir stößt auf Widerstand, den er mitunter selbst erzeugt. Er macht es den Leuten um sich herum nicht leicht.

Ein festlicher Abend in Berlin-Neukölln vor wenigen Tagen.

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