Arbeitsmarktforscher Fitzenberger : "Minijobs setzen falsche Anreize"

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Erstmals seit 2013 soll die Minijobgrenze angehoben werden - auf 520 Euro monatlich. Im Interview analysiert Bernd Fitzenberger, Chef des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit, die Wechselwirkungen mit dem Mindestlohn und mögliche Fehlanreize.

Was macht Minijobs eigentlich attraktiv für Arbeitgeber und Beschäftigte?

Fitzenberger: Minijobs sind eine subventionierte Form der Beschäftigung. Für die Beschäftigten sind sie steuer- und abgabenfrei, wenn man davon absieht, dass freiwillig Rentenversicherungsbeiträge entrichtet werden können und die Verdienste auf Grundsicherungsleistungen teilweise angerechnet werden. Die Arbeitgeber schätzen die Flexibilität bei dieser Beschäftigungsform.

Seit 2013 hat die Minijobgrenze bei 450 Euro gelegen. Die Löhne aber sind deutlich gestiegen. Was hat das für Auswirkungen gehabt?

Fitzenberger: Der Minijob wurde im Zeitverlauf weniger attraktiv, die Arbeitszeit bei Minijobs an der Grenze ist reduziert worden. Je höher der Lohn, desto geringer die Zahl der Stunden, die gearbeitet werden können, wenn man unterhalb der Minijobgrenze bleiben will. Das war ein großes Thema zum Beispiel im Bereich der Gebäudereinigung.

Wenn plötzlich alle Minijobs wegfallen würden: Wieviel reguläre Arbeitsplätze könnten dann wohl entstehen?

Fitzenberger: Das lässt sich schwer abschätzen. Neuere Forschung zeigt aber sehr genau, dass Minijobs in größerem Ausmaß reguläre Jobs verdrängt haben.

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