Flüchtlingsinsel Lesbos: Der schwarze Fleck Europas

 © Kormbaki

Vor sechs Monaten brannte das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos nieder. Die Politik kündigte Lösungen an, Europa gelobte Solidarität. Was ist aus den Versprechungen geworden?

Kein Bild, kein Wort.

Eine Polizistin nähert sich, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Den gebotenen Mindestabstand hat die Beamtin unterschritten, als sie hinter der schwarzen Maske das Kinn reckt und sagt: „Sollten Sie Aufnahmen gemacht haben, müssen Sie die jetzt löschen. Jetzt. Und keine Gespräche mit Flüchtlingen.“

Die Sonne wirft ihr grelles Frühjahrslicht aus einem flachen Winkel. Die Ersten schreiten an diesem Morgen aus dem Lager. Langsam, als müssten sie sich erst noch orientieren. Männer und Frauen mit langen Schatten. Sie halten in Folie eingeschlagene Papiere in den Händen. Ihre Ausgangserlaubnis. Das Dokument einer befristeten Freiheit.

Die Asylsuchenden von Lesbos dürfen das Flüchtlingslager im Ort Kara Tepe nur einmal pro Woche verlassen, für zwei, höchstens drei Stunden.

„Eine Sicherheitsmaßnahme gegen die Ausbreitung des Corona-Virus“, sagt die Polizistin auf die Frage nach dem Grund für die verbotene Kontaktaufnahme mit Geflüchteten. Es ist dieselbe Begründung, mit der das griechische Migrationsministerium einen Besuch im Lager abgelehnt hatte. Dieselbe Begründung, mit der die Bewegungsfreiheit der Menschen aus dem Lager auf ein Minimum beschränkt wird.

Corona, das Universalargument. Aber warum keine Bilder, nicht einmal solche aus der Ferne? Die Frage bleibt unausgesprochen. Zugunsten der Bilder auf dem Handy.

Lesbos, Heimat der antiken Dichterin Sappho, stand einmal für Poesie, für reines Olivenöl, für Sonne und für Strand. Seit dem Fluchtjahr 2015/2016 steht Lesbos für Not und Elend. Für die Mängel und Unzulänglichkeiten europäischer Asylpolitik. Das überfüllte Elendslager Moria war Sinnbild dieses Scheiterns. Bis es in Flammen aufging.

Als Moria niederbrannte, sprachen Politiker in Athen, Brüssel und Berlin von einem Weckruf. Angesichts Tausender Geflüchteter, die tagelang schutz- und mittellos auf der Landstraße in Richtung der Inselhauptstadt Mytilene ausharrten, versprachen sie „rasche Lösungen“. Verschreckt und beschämt gelobte Europa „Solidarität“.

Große Worte. Welche Taten folgten ihnen? Wie geht es Geflüchteten und Einheimischen heute, ein halbes Jahr, später? Eine Reise nach Lesbos, zu den Menschen am Rande Europas, soll Aufschluss geben.

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