Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Die Grünen: Ein Machtfaktor im Osten?

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Lange galten die Grünen im Osten der Republik als Partei der Besserwessis und Besserverdiener. Doch für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt rechnen sie mit der Verdoppelung ihres Wahlergebnisses von 2016 - trotz Dauerstreits in der Regierungskoalition. Woher rührt der Zuspruch?

Cornelia Lüddemann kommt einige Minuten später als vereinbart zum Gespräch. Ins Kulturzentrum Festung Mark, wo an diesem sonnigen Nachmittag eine Wahlkampfveranstaltung unter freiem Himmel stattfinden soll, gelangt nur herein, wer sich vorher hat negativ auf Corona testen lassen. Das gilt auch für die Fraktionschefin im sachsen-anhaltinischen Landtag.

Lüddemann ist seit drei Jahrzehnten Grünen-Politikerin in Sachsen-Anhalt. Dieser Wahlkampf sei eine komplett neue Erfahrung, erzählt die gebürtige Dessauerin, als das negative Testergebnis schließlich vorliegt und sie an einer Bierbank Platz genommen hat. Ringsum postieren sich Kamerateams. Mit „anders“ meint Lüddemann nicht den Stimmenfang unter Pandemiebedingungen, mit Tests und Abstand. Sondern:

„Die Menschen sind ernsthaft interessiert an unseren Konzepten“, sagt sie.

Die Grünen und der Osten: das war bisher eine Geschichte des Fremdelns. Lange galten die Ökos als Partei der Besserwessis und der Besserverdiener. Ohne Chancen auf eine Verankerung in den einstigen Industrie- und Kohlerevieren oder den dünn besiedelten ländlichen Regionen. Bündnis 90, die ostdeutsche Wurzel der Partei, geriet beinah in Vergessenheit.

Doch seitdem in Berlin die Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck am Ruder sind, wandelt sich das Bild der Grünen vom Osten - und das Bild des Ostens von den Grünen.

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