Direktor der Beethoven-KI im Interview: "Die künstliche Intelligenz macht den Menschen kreativer"

 © HUBERT AUER Salzburg

Ein Team aus Wissenschaftlern und Programmierern hat mithilfe von künstlicher Intelligenz Beethovens 10. Sinfonie vollendet. Am Samstag feierte das Werk seine Bühnenpremiere. Ein Interview mit Projektleiter Dr. Matthias Röder über das zukünftige Potenzial von künstlicher Intelligenz in der Musik.

Als Ludwig van Beethoven vor fast 195 Jahren verstarb, hinterließ er Skizzen mit Ideen und Anregungen für eine 10. Sinfonie. Nichts Geringeres als dieses unvollendete Werk zu vollenden war nun die Aufgabe eines Expertenteams, bestehend aus Musikwissenschaftlern, Computerexperten und Musikern.

Dazu haben die Wissenschaftler eine künstliche Intelligenz entwickelt, die basierend auf den von Beethoven hinterlassenen Fragmenten eine Version der 10. Sinfonie zu Ende komponiert hat.

Am Samstag wurde das Stück vom Bonner Beethoven Orchester unter der Leitung des Chefdirigenten Dirk Kaftan uraufgeführt. Initiator und Finanzier des Projektes war die Deutsche Telekom. Bei der Aufführung mit dabei waren prominente Gäste wie Topmodel Toni Garrn und Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

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Koordiniert wurde die zweijährige Entwicklung der künstlichen Intelligenz durch Dr. Matthias Röder. Bei der Auswahl der Teammitglieder habe er nach Experten gesucht, die in verwandten, aber nicht identischen Bereichen führend sind. So habe beispielsweise Ahmed Elgammal, ein weltweit anerkannter Experte für kreative künstliche Intelligenz im Bereich der bildenden Kunst, an dem Projekt mitgewirkt. Am Telefon sagt Röder:

Ich finde es immer spannend zu beobachten, was passiert, wenn sie Experten auf einen ganz neuen Bereich ansetzen. In unserem Fall ist die Strategie, sich einem neuen Thema mit Domänenwissen einer nur leicht verwandten Disziplin zu nähern, aufgegangen.

Matthias Röder

Röder selbst gilt als Experte für Musik- und Technologiestrategie. Der studierte Musikwissenschaftler ist Absolvent der Harvard-Universität und Leiter des Karajan-Instituts Salzburg. Zudem ist er Mitgründer von “The Mindshift”, einem Unternehmen, das an der Schnittstelle von Musik, Kunst und Technologie neue Chancen zu erkunden versucht. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet.

In einem ThePioneer-Interview zieht Matthias Röder über das KI-Projekt Bilanz, spricht über die Zukunft der menschlichen Kreativität, das Potenzial von künstlicher Intelligenz in der Musik und macht Hoffnung auf ein musikalisches Comeback von Michael Jackson.

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Herr Röder, ihr Team hat eine künstliche Intelligenz entwickelt, mit deren Hilfe nun Beethovens 10. Sinfonie vollendet wurde. Überspitzt gefragt: Ist das anmaßend, oder kann eine künstliche Intelligenz wirklich genau so gut komponieren wie Beethoven?

Röder: Uns ging es gar nicht darum herauszufinden, ob eine künstliche Intelligenz genau so gut komponieren kann wie eines der größten kreativen Genies, zu denen Beethoven ja gezählt werden kann. Wir haben uns viel mehr mit der Frage beschäftigt, was mithilfe von künstlicher Intelligenz in der Musik nun erreicht werden kann, dass ohne diese Technologie zuvor nie möglich gewesen wäre.

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