Die Grünen im Wahlkampf: Die zweifache Baerbock

 © Imago

Annalena Baerbock wirkt vorsichtig und verunsichert. Außer, man trifft sie inmitten wohlmeinender Parteifreunde an, weit weg von Berlin. Es ist, als hätten die Grünen jetzt zwei Kanzlerkandidatinnen.

Beziehungstipps von Annalena Baerbock, damit haben die rund 200 Grünen-Wahlkämpfer im Heidelberger Biergarten „Kleine Freiheit“ nicht gerechnet.

Bei dieser Bundestagswahl komme es auf jede einzelne Stimme an, ruft Baerbock ins Publikum. Die rechte Hand hält das Mikro, die linke gestikuliert ausladend. Baerbock spricht frei, sie schreitet auf der Bühne auf und ab, als wäre das hier Kabarett und nicht Wahlkampf.

Als sie zur Pointe ansetzt, ist all das antrainierte Kanzlerinnenhafte aus ihrer Stimme gewichen, und Baerbock gibt die launige Alleinunterhalterin.

Jeder und jede möge am Tag der Wahl das nähere und auch fernere persönliche Umfeld zur Stimmenabgabe bewegen, so Baerbock. „Sagen Sie zu Ihrem Exfreund: Ach, weißte was, am 26.9. können wir doch mal gucken, warum es eigentlich nicht funktioniert hat.“

Lachen und Klatschen auf den Bierbänken. Am VIP-Tisch hebt Cem Özdemir die Brauen.

Er frage sich, erläutert er später, „wie das die jeweiligen Ehepartner und Ehepartnerinnen so sehen“. Aber, so der frühere Grünen-Chef: „Wenn Annalena das sagt, wird es gemacht.“

Ein höflicher, leicht dahingesagter Satz, in dem doch das Kernproblem der Annalena Baerbock mitschwingt: die Autorität der Grünen-Vorsitzenden und Kanzlerkandidatin steht infrage.

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