Eskalation im Iran

Ex-General Hodges: „Weit mehr als nur der Versuch, die Führung auszuschalten“

Der amerikanische General a.D. Ben Hodges ordnet den größten US-Militärschlag seit dem Irakkrieg im Gespräch mit Chelsea Spieker ein. Hodges war in seiner letzten Funktion Commanding General der US-Armee in Europa. Ein Auszug.
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The Pioneer: Handelt es sich bei den US-Angriffen auf den Iran um eine gezielte „chirurgische“ Operation gegen die Führung, wie in Venezuela – oder um eine breiter angelegte militärische Kampagne?

Ben Hodges: Das ist deutlich größer angelegt als das, was zur Festnahme von Präsident Maduro führte. Wenn man die rund 900 Angriffe von gestern betrachtet, dann richten sich die Ziele nicht nur gegen Khamenei oder die politische Führung. Man greift die Luftverteidigung im gesamten Land an. Es geht um Irans Fähigkeit, ballistische Raketen herzustellen. Und vermutlich auch um Stellungen, von denen aus Iran Gegenschläge gegen die USA oder Israel starten könnte. Das ist also weit mehr als nur der Versuch, die Führung auszuschalten.

Satellitenbild eines angegriffenen Marinestützpunkts in Konarak, Iran © dpa

Sind Luftangriffe das richtige Mittel für einen Regimewechsel oder braucht es Bodentruppen?

Ich halte es für nahezu ausgeschlossen – nahezu null –, dass die Administration amerikanische Bodentruppen entsenden würde. Wir sprechen hier von einem riesigen Land mit 90 Millionen Einwohnern. Das wäre außerordentlich gefährlich und eines der höchsten Risiken, die man eingehen könnte. Wenn es also ‚Boots on the ground‘ gibt, dann keine amerikanischen. Ich glaube, Präsident Trump hofft vielmehr, dass die iranischen Menschen auf die Straße gehen und selbst die Macht übernehmen.

War der Zeitpunkt dieses Angriffs möglicherweise innenpolitisch motiviert, als Ablenkung?

Das ist eine sehr gute Frage. Es gibt viele Spekulationen, dass das mit der US-Innenpolitik zu tun hat. Manche machen Witze und sagen, das sei nicht ‚Operation Epic Fury‘ gewesen, sondern die ‚Operation Epstein‘. Es gibt also die Vermutung, dass dies eine Ablenkung von all den Herausforderungen und Problemen sein könnte, mit denen der Präsident im eigenen Land konfrontiert ist.

Ich glaube nicht, dass das ausschließlich aus Ablenkungsgründen geschehen ist. Es gibt seit Langem – parteiübergreifend bei verschiedenen amerikanischen Präsidenten – den Wunsch, sicherzustellen, dass Iran niemals eine Nuklearwaffe entwickelt und keine Terrorunterstützung in der Region über seine Stellvertreter leistet. Das sind legitime Ziele.

Das vollständige Interview hören Sie hier.

Ben Hodges zur Iran-Eskalation | Golfregion im Fokus | Berlin debattiert Völkerrecht

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Veröffentlicht in The Pioneer Briefing Business Class Edition von Chelsea Spieker.

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