Goldreserven

Frankfurt statt Fed-Keller: Deutschlands geheimer Plan

In Deutschland wird heimlich eine Rückführung der Goldreserven aus den USA geplant. Zu groß ist die Sorge vor weiteren Folgen von Trumps Wirtschaftspolitik. Auch deutsche Politiker fordern eine Überführung.
23.01.2026

Deutschland ist weltweit hinter den USA der zweitgrößte Besitzer von Goldreserven. Die Bundesrepublik besitzt insgesamt 3.352 Tonnen an Gold zur Absicherung der eigenen Währung. Davon liegen 1.236 Tonnen (37 Prozent) in den Goldlagern im Keller der Federal Reserve Bank of New York in Manhattan, 1.710 Tonnen in der Frankfurter Bundesbank.

Eine Infografik mit dem Titel: Die Gold-Staaten

Länder mit den größten Goldreserven, in Tonnen

Warum das wichtig ist? Weil es in der Bundesrepublik ernsthafte Überlegungen gibt, die Goldbestände aus den USA ins Bundesgebiet zu überführen. Die Gründe: Zum einen würde man in Krisenzeiten gerne direkt auf das eigene Gold zurückgreifen können. Zum anderen hat man Sorge vor den weiteren Folgen von Donald Trumps erratischer Wirtschaftspolitik.

Unter deutschen Politikern häufen sich die Forderungen die Goldbestände aus den USA zurückzuholen. Aus der FDP meldet sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu Wort. Gegenüber dem Spiegel sagt sie:

In einer Zeit wachsender globaler Unsicherheiten und unter der unberechenbaren US-Politik von Präsident Trump ist es nicht länger vertretbar, dass rund 37 Prozent der deutschen Goldreserven, mehr als 1.230 Tonnen, in Tresoren der Federal Reserve in New York lagern.

Auch Frank Schäffler warnt vor einem geopolitischen Risiko und fordert schon lange eine Überführung der Goldreserven. Der FDP-Politiker plädiert außerdem dafür, Gold zu verkaufen und stattdessen Bitcoin zu kaufen. Denn dass so viele Goldreserven in einem Tresor in New York schlummern, spricht nicht zwingend für die Unabhängigkeit Deutschlands.

Wie kam es dazu? Ab Mitte der Fünfzigerjahre begann die Bank deutscher Länder – die Vorgängerin der Bundesbank – Goldreserven aufzubauen. In den Wirtschaftswunderjahren von 1948 bis 1973 wurde durch den starken Exporthandel mit den USA so viel Geld verdient, dass man dieses bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eintauschte. Im Kalten Krieg verlagerte man bewusst weitere Goldbestände.

Tresorraum vom Goldhaus pro aurum in München © Imago

Bereits 2013 hat die Bundesbank beschlossen und bis 2017 durchgeführt, dass man mindestens die Hälfte der Bundesreserven im Inland lagern möchte. In Folge holte man 674 Tonnen Gold in einer Hochsicherheitsoperation aus Paris und New York zurück nach Frankfurter. Die Operation kostete damals 7,7 Millionen Euro.

Noch unter der Ampel-Regierung wurde von der Bundesbank – unter Führung des dafür zuständigen Bundesbankvorstands Burkhard Balz – ein detaillierter Plan zur Rückführung der Goldbestände ausgearbeitet. Dieser Plan befasst sich vor allem mit der Logistik des Transports, den Versicherungspolicen für die Operation und der Absicherung der Goldbarren auf ihrem langen Weg über den Atlantik. Dieser Plan beziffert die Kosten für den Rücktransport der gesamten Goldbestände in New York auf weniger als 50 Millionen Euro.

Bundesbankvorstand Burkhard Balz in Berlin, 23.03.2023 © Imago

Der Plan wurde nach dem Wahlsieg von Trump auch deshalb als politisch brisant eingeschätzt, weil der neue Präsident diese Rückführung als Misstrauensbeweis interpretieren würde – was es auch wäre.

Wichtig für das Procedere: Die damalige Bundesregierung hat Bundesbankvorstand Balz informell versichert, dass die Notenbank bei dieser Entscheidung freie Hand besitze und mit keinerlei politischen Störmanövern zu rechnen habe. Juristisch genießt die Bundesbank in dieser Frage ohnehin Autonomie. Das Bundesbankgesetz erklärt einzig und allein die Bundesbank zur Hüterin der Währungsreserven.

Wichtig zu wissen: Im Moment gibt es keine Neigung der Bundesbank, diesen Rückrufplan zu aktivieren. In regelmäßigen Abständen gibt es ein Update von Transportwegen, Risiken und Kosten: Man will vorbereitet sein auf Tag X.

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