Öffnung der Bundeswehr: "Frauen müssen in der Armee nicht ihren Mann stehen"

 © Imago/ThePioneer

Anastasia Biefang ist die erste offen transgeschlechtliche Kommandeurin der Bundeswehr. Als Vize-Vorsitzende des Vereins QueerBW setzt sie sich für Vielfalt in der Truppe ein. Ein Gespräch über vorbildliche Vorgesetzte, Gender-Seminare im Bendlerblock - und über weibliche Dienstgrade.

Anastasia Biefang, 47, ist Oberstleutnant der Luftwaffe. Nach dem Pädagogikstudium an der Universität der Bundeswehr in München ließ sie sich zum IT-Offizier der Luftwaffe und später dann zum Offizier im Generalstabsdienst ausbilden. Biefang, Tochter eines Luftwaffenoffiziers, war zweimal in Afghanistan und ist heute Referatsleiterin für Einsatz- und Übungsplanung im Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn. Vor sechs Jahren hatte Biefang ihr Comingout; 2017 wurde sie die erste offen transgeschlechtliche Bataillonskommandeurin der Bundeswehr. Ein Gespräch über den langen Weg zu sich selbst - und über den langen Weg der Bundeswehr zu einer offenen, inklusiven Institution.

Frau Oberstleutnant Biefang, hat Sie Ihr Comingout Überwindung gekostet?

Biefang: Einmal getroffen, war der Umgang mit der Entscheidung selbst nicht schwierig. Aber der lange Weg dorthin kostete Überwindung.

1994 traten Sie Ihren Grundwehrdienst an, 2015 hatten sie ihr Comingout. Warum verging bis dahin so viel Zeit?

Biefang: Schon mein persönliches Comingout, also die Fähigkeit, zu mir selbst zu stehen, dauerte lange, bis weit in meine Zwanziger. Zu ermessen, was das für meinen Beruf und meine Karriere bedeuten würde, fiel mir schwer. Ich war mir nicht sicher, ob ich als transgeschlechtliche Offizierin einen Platz finden würde in den Streitkräften.

Wie erlebten Sie die Armee?

Biefang: Als ich 1994 eingezogen wurde, galt noch der Erlass, der homosexuelle Soldaten strukturell diskriminiert hat. Er wurde erst 2000 aufgehoben - ohne dass schlagartig ein offenes Klima entstand. Die Vorbehalte lebten fort. Es gab schon vor mir transgeschlechtliche Soldaten und Offiziere. Aber man hörte wenig von ihnen, sie waren nicht sichtbar. Auf einem Lehrgang Anfang der 2000er nannte der verantwortliche Leiter die erste transgeschlechtliche Waffenoffizierin im Tornado „ekelhaft“ und „untragbar“. Solche Eindrücke gaben mir nicht das Gefühl, offen und ehrlich sein zu können.

Was gab den Ausschlag, es dann doch sein zu können?

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