Buch-Empfehlungen : Lesespaß: Die Pioneer Sommer-Hits '22

 © The Pioneer

Der Sommer ist zu schön, um ihn der Weltuntergangsstimmung zu überlassen. Deshalb hat ein Team aus unseren Mitarbeitern und den Pioneers, eigens für Sie die persönlichen Buch-Highlights für den Sommerurlaub zusammengetragen.

Hier die private Empfehlungsliste des Pioneer-Teams für den Sommerurlaub. Sie finden auf dieser Liste keine Entweder-Oder-Literatur und auch keine negativen Rezensionen, also keine Verrisse. Wir wollen Ihren Lese-Sommer konstruktiv gestalten, das heißt bereichern.

Los geht's:

1. “Landpartie” von Gary Shteyngart

Der Roman spielt im Jahr 2020 auf dem Anwesen eines einst erfolgreichen, russischstämmigen Autors, außerhalb von New York City. Mitten im ersten Corona-Lockdown lädt er einige Freunde und Bekannte auf sein Landhaus ein, um der Stadt und dem Virus zu entkommen. Was folgt ist eine sechsmonatige Isolation in dieser ländlichen Blase, bei der sich die wundervoll fehlerhaften und real ausgearbeiteten Figuren in emotionale und erotische Verstrickungen begeben.

Das Buch ist voller absurden Humors und wirft ein schonungsloses Licht auf die größten Themen der amerikanischen Gegenwart: Ausländerfeindlichkeit, Klimawandel, soziale Medien, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Stadt und Land, Rechts und Links.

Chelsea Spieker

2. “Serge“ von Yasmina Reza

Was für eine Tragik - nein, was für eine Komik! Man weiß gar nicht, mit welchem dieser höchst zweifelhaften Persönlichkeiten man sich am ehesten identifizieren soll.

Alev Doğan

Eine Familie, die Seite um Seite an der Grenze zur gescheiterten Existenz schwankt, sie immer wieder übertritt, den Weg meist zurückfindet. Eine jüdische Familie, die nach dem Tod der Mutter sich erstmals mit der Shoah auseinandersetzt, Auschwitz besucht und zwischen Hilflosigkeit und Lebenswillen zu heilen versucht.

3. “Nero Corleone” von Elke Heidenreich

Ein Hörbuch, das ich schon als Kind von meinem Vater auf langen Autofahrten zu hören bekommen habe und mich darin bestätigt, dass ich mir wohl niemals eine Katze anschaffen werde.

Patricia von Matuschka

Bis heute beteuern meine Eltern, dass sie es auch gerne gehört haben. Also muss es ein Hörbuch für alle Altersgruppen sein. Der freche Kater Nero spielt in der Geschichte einen italienischen Casanova, der seine deutsche Familie ganz bald fest im Griff hat. Mit viel Charme bringt Elke Heidenreich mich bei der Erzählung immer wieder zum schmunzeln.

4. “Der Schatten des Windes” von Carlos Ruiz Zafon

Wer Zafon schon einmal gelesen hat, weiß um die unverwechselbare Sprache, die die Leserinnen und Leser durch seine Geschichten trägt.

Carlotta Diederich

Der Schatten des Windes ist der Auftakt einer Reihe um die Familie Sempere und ihre Buchhandlung, deren Geschichte in vier Bänden Stück für Stück erzählt wird. Vor der Kulisse eines dunklen und bedrohlichen Barcelonas lernt der junge Daniel den Friedhof der Vergessenen Bücher kennen, und allein die Beschreibung dieser magischen Kathedrale voller Bücher, die in diesem Labyrinth darauf warten, irgendwann wieder gefunden zu werden, macht Zafon perfekt um sich in der Magie seiner Wörter und den immer spannenden, detaillierten und manchmal auch gruseligen Szenen zu verlieren.

5. “Winston Churchill“ von Sebastian Haffner

Wer wissen will, was Churchill heute tun würde, muss diese Biografie lesen.

Michael Bröcker

Nie war Winston Churchill aktueller als heute. Der britische Staatsmann, Literatur-Nobelpreisträger und Begründer des Nordatlantik-Paktes, der in diesen Tagen sein Comeback erfährt, wird von Sebastian Haffner sprachlich intensiv, anekdotisch reichhaltig, aber doch knapp und klar portraitiert.

6. "Schatten in der Friedrichstadt" von Susanne Goga

Der 8. Fall von Kommissar Leo Wechsler entführt die Leser in das Berlin der 20er Jahre. Zwischen politischen Machtkämpfen und schillernden Partys ermittelt Wechsler diesmal im Todesfall eines Journalisten. Welcher enthüllenden Geschichte war er auf der Spur?

Gute und spannende Unterhaltung garantiert!

Pauline Loick

7. "Und jetzt Du" von Tupoka Ogette

Der Sohn der Autorin und unser Sohn haben sich vor Jahren auf einem Spielplatz kennengelernt und wir sind bis heute befreundet.

Thomas Lang

Nicht nur als Eltern eines schwarzen Kindes ist es wichtig das Thema "Rassismus" richtig zu verstehen. Ihr neues Buch liefert viele praktische und alltagsnahe Übungen für Freunde, Familie, Schule und Beruf. Und jetzt Du - Rassismuskritisch leben.

8. “​​Verity” von Colleen Hoover

Die amerikanische Bestsellerautorin fesselt weltweit mit ihrem ersten Psychothriller.

Rebecca Lisienski

Das Buch begleitet die junge Autorin Lowen Ashleigh bei ihrem vermeintlich größten Sprung auf ihrer Karriereleiter - sie soll die Thriller-Reihe der bekannten Autorin Verity Crawford nach einem schweren Autounfall weiterführen. Bevor sie weiß, wie ihr geschieht, findet sich Lowen inmitten Veritys Welt wieder. Sie zieht für die Recherchen in das Haus der Crawfords ein, fühlt sich zu Veritys Ehemann Jeremy hingezogen und entdeckt schließlich das Tagebuch der Starautorin. Und dieses offenbart Schreckliches…

9. “Wassermusik” von T.C. Boyle

Dieses Buch ist ein Opus der Phantasie und Sprachgewalt. Der geniale Abenteuerroman über den furchtlosen Afrika Forscher Mungo Park und den Pechvogel Ned Rise ist ein zeitloser Klassiker der Reiseliteratur. T.C. Boyle sorgt stets für Momente des ungläubigen Staunens und zahllose Überraschungen entlang des kunstvoll gewebten Handlungsstrangs.

Zudem sehr humorvoll geschrieben ist „Wassermusik“ ein rasanter literarischer Parforceritt und eines dieser Bücher „….die man nicht mehr aus der Hand legen kann!“

Stefan Rupp

10. Ernest Hemingway: „Wem die Stunde schlägt“

Meisterhaft erzählt in typisch lakonischer Hemingway-Manier. So geht Weltliteratur.

Stefan Lischka

Der Amerikaner Robert Jordan kämpft an der Seite kommunistischer Guerillas im spanischen Bürgerkrieg. An der Front in den Bergen erlebt er furchtlose Kämpferinnen und Kämpfer, wahre Liebe, Leidenschaft, Verrat - und die gewaltige Sinnlosigkeit des Krieges.

11. “Under the Skin“ von Linda Villarosa

Das Buch heißt nicht nur „Under the Skin“, es geht tatsächlich unter die Haut. Wer den strukturellen Rassismus in den USA verstehen will, muss dieses Werk der US-Journalistin Linda Villarosa lesen.

Thorsten Denkler

Rassismus betrifft alle Lebensbereiche in den USA. Villarosa hilft mit ihrem Buch, die schreienden Ungerechtigkeiten zu sehen, mit der ihre schwarzen Mitbürger in den USA tagtäglich zu kämpfen haben. Ein brutaler wie dringend nötiger Augenöffner. Auch für die deutsche Debatte.

12. “Befreit: Wie Bildung mir die Welt erschloss” von Tara Westover

Eine unfassbar inspirierende Autobiographie von einer starken jungen Frau, die sich aus der Aussteiger-Gesellschaft der Mormonen im mittleren Westen der USA bis an die Oxford University in England gekämpft hat.

Nina Hinkelmann

In den idyllischen Bergen von Idaho wuchs die junge Tara West in einer Mormonen Familie auf, die sich aufgrund von mentalen Krankheiten des Vaters immer mehr von der Gesellschaft abgewendet hatte. Während die älteren Geschwister noch zur Schule gehen durften, wurde dieser Weg der jungen Frau verweigert und sie musste sich alles aus den alten Schulbüchern der Geschwister heimlich selbst beibringen. Obwohl die Familie alles versuchte ihr diesen Weg zu versperren, schaffte sie es aus eigener Kraft bis an die besten Universitäten der Welt. Eine sehr beeindruckende, teilweise herzzerreißende, wahre Geschichte.

13. “Ein ganzes Leben” von Robert Seethaler

Ruhig und reduziert begleitet Robert Seethaler seinen Protagonisten Andreas Egger auf den 108 Seiten des Romans durch „Ein ganzes Leben“. Er nimmt uns mit in eine andere Zeit, in eine Welt im Umbruch, in ein Gebirgstal zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, in dem Tod, Krankheit und Tristesse allgegenwärtig sind.

Wir lesen, wie mit der Elektrizität Touristen, Geld, Licht und Lärm in die Tiefen des Tals strömen.

Wir werden berührt von Eggers naiver Liebe für das Leben und staunen über seinen Sinn für Romantik.

Die Lektüre hinterlässt uns nachdenkend und entschleunigt. Sie liest sich am besten unter einem alten Obstbaum liegend, mit einem Strohhut auf dem Kopf und den Füßen im Gras.

Elisabeth Beer

14. "Heimat ist die schönste Utopie: Reden (wir) über Europa” von Robert Menasse

Am Ende einer globalen Pandemie und verstärkt nationalistischen Tendenzen, verbreitet diese Redensammlung Zuversicht und Hoffnung.

Paul Horlacher

Mit historischem Bezug die Tendenzen des 20. Jahrhundert hinter uns zu lassen und in eine neue Zeit aufzubrechen, insbesondere Europa und unser Zusammenleben in diesem Vielvölkerstaat aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

15. „Zwischen du und ich“ von Mirna Funk

Die junge Berlinerin Nike zieht für ihren Job nach Tel Aviv und verliebt sich dort in den Kolumnisten Noam. Doch nichts ist so, wie es scheint. Wie lernen beide mit den Bruchstellen ihrer Existenzen und den Traumata ihrer jüdischen Familien zu leben?

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis - grandios und schonungslos erzählt.

Noemi Mihalovici

16. "Maschinen wie ich" von Ian McEwan

Ein Buch, das viele Fragen aufwirft, denen sich unsere Gesellschaft in Zukunft mehr denn je widmen muss.

Lena Waltle

Ian McEwan schreibt die Geschichte neu: 1982 hat das Vereinigte Königreich gerade den Falkland-Krieg verloren und während die IRA ein erfolgreiches Attentat auf den englischen Premier verübt, sind John F. Kennedy wie auch der Computer-Pioneer Alan Turing quicklebendig. Vor allem letzterer verändert mit seinen Androiden die bereits hoch-technologisierten 80er. Eine dieser menschenähnlichen Maschinen ist „Adam“, anhand dessen Geschichte Fragen rund um die moralischen Prinzipen der Künstlichen Intelligenz ergründet werden. Kann eine Maschine denken, lieben, leiden und Recht von Unrecht unterscheiden?

17. „Wer noch kein Grau gedacht hat“ von Peter Sloterdijk

Sloterdijks Buch „Wer noch kein Grau gedacht hat“ bietet die intelligente Form einer Farbenlehre, die Farbe eben nicht nur als das optisch Wahrgenommene definiert, sondern als Möglichkeitsraum von Politik. Es geht ihm um das Halbgare, das Halbseidene, das Halbwahre, um die abgeblendete Kehrseite des Realen, wie er schreibt. Zugleich aber wirbt der Philosoph dafür, die Grautöne einer Politik lieben zu lernen, die nicht auf egomanische Blendeffekte setzt, sondern das Graubrot der Sachlichkeit zu genießen versteht.

Dieser Katechismus wieder den Populismus wirkt belebend bis befreiend. Mein Sommer-Smash-Hit 2022.

Gabor Steingart

Einige der Pioneers waren so inspiriert von unseren Buchtipps, dass es sie gleich selbst ins Lesefieber gestürzt hat. Es folgt eine Liste der Buchempfehlungen der Pioneers:

18. „Ich bleibe hier" von Marco Balzano

Ein Bergdorf in Südtirol, in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, über den Verlust von Heimat, den Kampf gegen den Stausee, der das Dorf zerstören würde. Nach dem Lesen des Romans sieht man den schönen Reschensee mit der versunkenen Kirche in einem anderen Licht.

Es ist sehr einfühlsam geschrieben, gleichzeitig fesselnd. Man bleibt nachdenklich zurück.

Sabine Dietl

19. „Red Roulette" von Desmond Shum

Der chinesische ehemalige Immobilientycoon Desmond Shum war lange Zeit im innersten Machtzirkel der KPC, seine Ehefrau der er das Buch gewidmet hat die reichste Frau Chinas.

2018 verschwindet seine Frau Vivian Duan, ohne eine Spur zu hinterlassen. Ihre gemeinsame Lebensgeschichte mit zahlreichen Insides aus dem höchsten Machtzirkel der KPC zeichnet ein vielschichtiges Bild, das hilft, die Kultur und aktuelle Entwicklung Chinas besser zu verstehen.

Für meine chinesisch stämmige Frau und mich eines der spannendsten Bücher seit Jahren.

Fritz F. Peters

20. “Die Wand” von Marlene Haushofer

Der Roman aus dem Jahr 1963 lässt den/die Leser/in an einem Lebensausschnitt einer etwa 40-jährigen Frau teilhaben, die durch eine plötzlich auftauchende, unsichtbare Wand von der Zivilisation abgeschnitten wird - und sich existentiellen Fragen pragmatisch, unmittelbar und sehr persönlich stellen muss.

Der Film war gut, das Buch ist immer noch die beste Lektüre, auch für den Sommer - und im Kontext aktueller politischer und ökologischer Katastrophen erscheint die "Katastrophe", die in diesem Buch (scheinbar) gezeichnet wird, beim intensiven Lesen oftmals wie ein Idyll, Wunschzustand und subjektiv erträumter Plan B.

Siglinde Lang

21. “Dschinns” von Fatma Aydemir

Die Geschichte einer anatolischen Familie, die Anfang der 70er Jahre nach Deutschland geht. In den späten 90er Jahren wird aus der Perspektive der jeweiligen Familienmitglieder erzählt - Vater, Mutter, zwei Töchter, zwei Söhne. Themen wie Migration, Rassismus, weibliche Selbstermächtigung, Homophobie, Transgender-Debatte werden exemplarisch berührt, aber in der Familie niemals ausgesprochen. Der Knoten des Schweigens wird erstmalig ansatzweise gelöst, als der Vater stirbt und die Familie in Istanbul zusammenkommt.

Der Roman stellt das typische Schicksal einer unterprivilegierten türkischen Familie zwischen unterschiedlichen Kulturen dar. Aydemir versteht es dabei, einen fesselnden Spannungsbogen zu entwickeln.

Monika Weingartz

22. “Bruno, Chef de police” von Martin Walker

Die inzwischen 14-teilige Buchreihe geschrieben von dem schottischen Autoren Martin Walker, handelt von Bruno, dem Polizisten in Périgord, einer Provinz im Südwesten Frankreichs. Seit 2008 ermittelt der “Chef de police” Bruno Courrèges in Fällen aller Art – Mord, Raub, Betrug und Tierquälerei. Und da der Dorfpolizist leidenschaftlicher Koch ist, kommt auch die französische Küche nicht zu kurz.

Einfach nur wunderbar erzählt.

Wingolf Mielke

23. “Marschroute eines Lebens Gratwanderung” von Jewgenia Ginsburg

In diesen beiden Bänden beschreibt Jewgenia Ginsburg ihre 18-jährige Haft in stalinistischen Lagern. Als historisches Dokument: Unverzichtbar! Als literarisches Werk: Großartig! Als Beispiel für Menschlichkeit:Unübertroffen!

Monika Weingartz

Dem Tode mehrfach ganz nahe, sagt sie selber, dass bei allen verschiedensten Gefühlen das Staunen immer dominierend blieb. "...ich glaube, dass ich gerade diesem Staunen mein Leben verdanke. Ich war jederzeit nicht nur Opfer, sondern auch Beobachter." Das gilt im übrigen auch für ihren späteren Mann, den deutsch-ukrainischen Arzt Anton Walter.

Dieses Buch hat durch den Krieg an schockierender Aktualität gewonnen. Da es vergriffen ist und online zu teilweise überteuerten Preisen gehandelt wird, soll dies auch Anstoß zu einer Neuauflage sein, wobei die alte Übersetzung von Svetlana Geier hervorragend ist und bleibt.

24. "Die schwarze Rose" von Dirk Schümer

Wer "Der Name der Rose" von Umberto Eco gerne gelesen hat, wird dieses Buch ebenso schätzen. Historisch gut recherchiert ist dieser Roman spannend, auch humorvoll geschrieben, eine Chronik der christlichen Kirche, hochaktuell bis heute.

Gisa Bringer

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