Die Nato und Russland: "Man muss aufpassen, Putins Erzählung nicht zu bestärken"

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Grünen-Außenexperte Jürgen Trittin wirft Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor, den Konflikt mit Russland zu befördern. Ein Gespräch über den richtigen Umgang mit Wladimir Putin, die Zukunft der Ukraine und falsche Freunde im Kampf der Grünen gegen Nord Stream 2.

Herr Trittin, Russland hat Hunderte Panzer und 90 000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Sind das Anzeichen für eine bevorstehende Invasion?

Trittin: In der Nato gibt es zwei Interpretationen. Die US-Seite sagt, hier werde eine Intervention vorbereitet. Die meisten europäischen Partner sehen im Truppenaufmarsch eine Machtdemonstration Russlands, das zeigen will, dass es eine weitere Nato-Osterweiterung nicht akzeptiert.

Präsident Wladimir Putin fordert von der Nato sogar Garantien, dass sie das Bündnisgebiet nicht weiter nach Osten ausweite und keine Waffensysteme nahe der russischen Grenze stationiere. Sind diese Einkreisungsängste berechtigt?

Trittin: Nein, das ist eine Erzählung Putins, die er zur eigenen innenpolitischen Legitimation braucht. Aber man muss aufpassen, diese nicht zu bestärken. Denn gelegentlich ist es sinnvoll, die Welt durch die Brille des Gegenübers zu sehen. Eine Tugend, die der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nicht immer befolgt. Aus russischer Sicht ist die Nato mit ihren militärischen Kapazitäten durch die Mitgliedschaft der baltischen Staaten und Polens sehr nah an Russland herangerückt. Die Antwort auf diese - aus russischer, nicht aus meiner Sicht - nachvollziehbare Position kann doch nicht einzig im Verweis auf den Charakter der Nato als Verteidigungsbündnis bestehen.

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