Regierungsbeauftragte Claudia Moll: "Pflege-Notstand gibt es nicht erst seit Corona"

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Mehr als ein Vierteljahrhundert lang hat Claudia Moll in der Pflege gearbeitet. Als Pflegebevollbemächtigte der Bundesregierung trägt die SPD-Politikerin nun Verantwortung dafür, wie es weitergeht in der Pflege. Ein Gespräch über Corona, Beifall vom Balkon und die Impfpflicht-Debatte.

Zu Beginn der Pandemie vor zwei Jahren, da war die Solidarität groß. Für alle, die in der Pflege arbeiteten, wurde auf den Balkonen geklatscht. Wie haben Sie das empfunden?

Moll: Ich habe mir überlegt, was ich denken würde, wenn ich selbst noch in der Pflege tätig wäre. Ich hätte bestimmt zuerst gedacht: Toll! Freut mich, dass die Menschen an mich denken. Und dann wäre mir aber recht schnell klar geworden: Alleine der Applaus hilft mir auf Dauer nicht weiter. Da muss mehr kommen!

Wie denken Sie heute über den Applaus von damals?

Moll: Immer noch genauso. Den Pflege-Notstand gibt es nicht erst seit Corona. Ich habe selbst vor 20 Jahren schon in Düsseldorf vor dem Landtag dagegen demonstriert.

Claudia Moll bei einem Termin mit Olaf Scholz © ImagoUnd? Was ist daraus geworden?

Moll: Mir ist damals klar geworden: Dieses System ist nicht richtig. Es entwickelt sich in eine falsche Richtung. Letztlich bin ich auch deswegen in die Politik gegangen.

Sie haben lange in der Pflege gearbeitet, 27 Jahre. Wie merkt man, dass das System nicht richtig ist?

Moll: Nicht jeder Tag in der Pflege ist schlecht gewesen. Ich habe viel Schönes erlebt, sonst hätte ich es nicht so lange gemacht. Aber die Tage, an denen es zu viel Arbeit für zu wenige Köpfe war, die wurden immer mehr. Und die Tage dazwischen, in denen man mal Luft holen konnte, oder die Dinge machen, für die sonst keine Zeit war, wurden immer weniger.

Wo genau haben Sie gearbeitet?

Moll: Erst in der stationären Altenpflege, später habe ich in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gearbeitet.

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