2026 soll kein Jahr des europäischen Zuhörens im Bayerischen Hof werden. Nicht wie im vergangenen Jahr, als US-Vizepräsident J.D. Vance das Spitzentreffen eröffnete und bis zu seinem Ende die Schlagzeilen dominierte.
In diesem Jahr eröffnete der Kanzler selbst das Treffen und wollte die Agenda setzen: strategisch im Anspruch – und vor allem europäisch im Ton. Nicht nur im großen Saal des Hotels, sondern auch in den vielen Räumen mit Live-Übertragung wird es merklich stiller, als Merz die Bühne betritt.
„Wir legen den Schalter im Kopf um“ , betonte Merz gleich zu Beginn. Der Kanzler drängt auf ein neues Selbstverständnis. Deutschland habe zu lange in sicherheitspolitischer Bequemlichkeit verharrt. Und weiter:
Niemand hat uns in die übermäßige Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten gezwungen. Diese Unmündigkeit war selbstverschuldet.
Nato: Merz sprach von einem „selbsttragenden Pfeiler“ Europas in der Allianz, ausdrücklich nicht als Ersatz, sondern als Stärkung. Soll heißen: Europa soll innerhalb des Bündnisses erwachsen werden, mehr Lasten und strategische Eigenständigkeit aufbauen.
Wir schließen die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Atomwaffen: Kommt der europäische Schutzschirm? Erstmals bestätigte Merz:
Mit dem französischen Präsidenten habe ich vertrauliche Gespräche über europäische nukleare Abschreckung aufgenommen.
Zugleich betonte Merz: Deutschland bleibe „strikt eingebettet in die nukleare Teilhabe der Nato“, zugleich dürfe es „keine Zonen unterschiedlicher Sicherheit“ in Europa geben. Ein strategisches Signal an Moskau und eine Sensibilitätsprobe für Washington.
Transatlantische Beziehung: Die Amerikaner - Abgeordnete des US-Kongress und der kalifornische Gouvernor Gavin Newsom sitzen im Publikum - wollte Merz in seiner Rede nicht zu sehr verprellen. Zwar ist Vizepräsident Vance diesmal nicht in München, dennoch ist die US-Delegation aus dem US-Kongress in diesem Jahr so groß wie nie.
JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 © dpaSie möchte Merz am Abend beim hochrangigen McCain-Dinner von seiner neuen europäischen Sicherheitsarchitektur überzeugen, ein Treffen mit Außenminister Marco Rubio ist am Nachmittag geplant. Aus diesem Grund sucht Merz die Balance und warb auf englisch:
Dear friends, being a part of Nato is not only Europe’s competitive advantage. It is also the United States‘ competitive advantage.
Die Hand nach Washington hält Merz ausgestreckt: „Autokratien mögen Gefolgschaft haben; Demokratien haben Partner und Verbündete“, betonte er mit Blick auf die US-Delegation. Und ergänzte:
Wenn unsere transatlantische Partnerschaft eine Zukunft haben soll, müssen wir sie neu begründen. Diese Begründung muss handfest sein, nicht esoterisch.