Regierungskrise

Ukraine: Warum Oberbefehlshaber Syrskyj gehen musste

Tausende Menschen auf der Straße, ein Ultimatum, die Drohung mit dem Generalstreik: Selenskyj gab dem Druck nach. Der ukrainische Präsident entließ Oberbefehlshaber Syrskyj und ernannte Generalmajor Drapatyj zu seinem Nachfolger. Zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Vivian Dünwald
Heute
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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj entließ gestern Abend den Oberbefehlshaber des ukrainischen Militärs Oleksandr Syrskyj.

Damit hat Selenskyj dem Druck im Inland nachgegeben: Seit Ende vergangener Woche demonstrierten Tausende Menschen in 16 ukrainischen Städten gegen die Entlassung des Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow. Demonstranten stellten dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein Ultimatum zur Entlassung Syrskyjs – und drohten sonst mit einem Generalstreik.

Selenskyj ernannte Generalmajor Mychajlo Drapatyj zum neuen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und gab die Personalentscheidung auf Telegram bekannt.

Den bisherigen Posten von Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister führt seit Montag der frühere SBU-Geheimdienstoffizier Jewhenij Chmara kommissarisch. Für eine dauerhafte Ernennung müsste Selenskyj ihn nominieren und vom Parlament bestätigen lassen.

Demonstranten in der Ukraine am 19.07.2026 © dpa

Der Hintergrund: Selenskyj entließ vergangene Woche Schlüsselfiguren seines Kabinetts. Darunter auch den ehemaligen Verteidigungsminister Fedorow, der hohe Beliebtheit bei der Bevölkerung genießt. Fedorow nannte als Grund für seine Entlassung einen Konflikt mit dem militärischen Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj.

Dabei ging es um mehr als eine Personalfrage. Fedorow stand für eine moderne Drohnenstrategie – die in den vergangenen Monaten für große Fortschritte sorgte. Er forderte jedoch auch radikale Umstrukturierungen des Militärs, gegen die sich Generäle der alten Schule wie Syrskyj sträubten.

Der Zeitpunkt der Unruhen setzte Selenskyj besonders unter Druck: Die letzte Woche zeigte die intensivste Phase gegenseitiger Angriffe zwischen der Ukraine und Russland seit Beginn des Krieges. Zwar erzielt die ukrainische Drohnenstrategie bedeutende Erfolge bei der Schwächung russischer Energieinfrastruktur, doch Russland schlägt hart zurück. Russische Angriffe auf Kiew erreichten zuletzt mit mehr als 40 Raketen pro Nacht eine neue Intensität.

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