Sammelband zum Abschied der Kanzlerin : Vorbild Angela Merkel

Annette Schavan hat ein bemerkenswertes Buch über ihre Vertraute und frühere Chefin Angela Merkel herausgebracht. Darin geben rund 30 Politiker, Wirtschaftschefs, Künstler und Sportler einen Einblick in ihre Zeit mit der Kanzlerin. Eine Rezension über "Die hohe Kunst der Politik".

Es ist keine Bilanz, kein Fazit oder Resümee, das Annette Schavan jetzt vorgelegt hat. Für eine abschließende Bewertung der Kanzlerschaft Angela Merkels sei es noch zu früh. „Jetzt sind zunächst Eindrücke und Erfahrungen aus diesen 16 Jahren präsent“, schreibt Schavan im Vorwort des von ihr herausgegebenen Sammelbands über „Die Ära Angela Merkel“.

Um die Schilderung von derlei Eindrücken und Erfahrungen bat Schavan Politiker, Kulturschaffende, Wirtschaftsvertreter und Sportler aus aller Welt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, Afrikas erste Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf machten mit, und selbst der Papst steuerte ein paar Zeilen bei.

Die breite Resonanz auf ihre Anfrage und die Wertschätzung, die jeden der rund 30 abgelieferten Aufsätze durchzieht, haben Schavan dann aber doch dazu veranlasst, im Titel ihres Buch über Angela Merkel eine abschließende Wertung anklingen zu lassen. Er lautet: Die hohe Kunst der Politik.

Angela Merkel und Annette Schavan im Bundestag.  © dpa

Es kommen jetzt zahlreiche Bücher über die scheidende Kanzlerin auf den Markt, von denen sich die meisten um eine nüchterne Betrachtung der Kanzlerschaft Merkels mühen. Dazu zählt Schavans Sammelband nicht. Sie selbst ist ja auch keine teilnahmslose Beobachterin: Die gebürtige Jüchenerin war von 2005 bis 2013 Bildungsministerin unter Angela Merkel, trat nach großer Aufregung um ihren Doktortitel zurück und war dann bis Mitte 2018 deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl.

Was Schavan in all den Jahren auch war: enge Vertraute und Wegbegleiterin der Kanzlerin.

Schavans Sammelband, in dem prominente Autoren durchaus persönliche Einblicke in ihr Verhältnis zu Angela Merkel preisgeben, ist daher vor allem eines: ein Freundschaftsbuch. Aber eines, das sich nicht mit Förmlichkeiten und Höflichkeiten begnügt.

Vielmehr vermittelt es ein konturiertes Bild der Politikerin und des Menschen Angela Merkel, die trotz 16 Jahren Dauerpräsenz oft im Vagen, im Unscharfen zu bleiben schien. Und, genauso interessant: Es bringt den Leserinnen und Lesern die prominenten Verfasser der Beitrage näher.

Jede Lobrede sagt ja über den Lobenden mindestens ebenso viel aus wie über den Gelobten. Und so sind die Texte über Angela Merkel stets auch Reflexionen der Verfasserinnen und Verfasser über sich selbst.

So mutet die Schilderung von Grünen-Chefin Annalena Baerbock über den Politikstil Merkels an wie die Beschreibung ihres eigenen Ideals:

Ihre Gesten, Worte, ihre Macht sollen nicht ausstechen, sondern sind unprätentiös. Sich selbst zurücknehmen zu können und in den Dienst der Sache zu stellen, hat das Machtverständnis dieser Republik und ja, auch der Welt, verändert.

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