Russisches Gas: Energie-Zar Putin & die Fehlkalkulation des Westens

Putin kämpft nicht nur in der Ukraine, sondern auch auf den Energiemärkten der Welt. Sein größter Trumpf: unerschöpfliche Öl- und Gasvorräte. Wie der Westen sich selbst eine Grube gräbt: Eine Analyse von Gabor Steingart.

Der Schuldner kann seiner Bank nicht drohen. Wenn er es trotzdem wagt, wird sie ihn vor die Tür setzen. Oder foltern. Dafür braucht sie keine Streckbank. Sie hat ja ihre Zinsen.

Der Energiekonsument kann seinem Lieferanten nicht drohen. Wenn der Kunde nervt, dreht man ihm den Hahn zu. Dem bisherigen Abnehmer fehlen dann Warmwasser, Strom, Heizung und womöglich bald auch der Arbeitsplatz.

Eine Infografik mit dem Titel: Russland drosselt den Gasfluss

Gasflüsse aus Russland nach Waidhaus (Mittel-Europäische Gasleitung) und Greifswald (Nord Stream 1), in GWh/Tag

Womit wir bei Wladimir Putin wären. Der Westen wollte ihn ökonomisch in die Knie zwingen (Joe Biden: „Die Gesamtheit unserer Sanktionen und Exportkontrollen erdrückt die russische Wirtschaft” ) und plötzlich spüren wir den kühlen Lauf seiner Gaspistole an unserer Stirn.

Joe Biden © dpa

Putin hat erkannt, dass er im kleinen ukrainischen Theater die Welt nicht beeindrucken kann. Sein dortiger Krieg ist verlustreich, moralisch abstoßend und politisch ineffektiv.

Seine wirkliche Waffe liegt in den schier unerschöpflichen Öl- und Gasvorräten des größten Flächenstaates dieser Erde.

Putins große Bühne sind die Weltenergiemärkte. Hier hat er etwas, was die anderen nicht haben. Hier kann er die Rolle des Energiezaren spielen. Machtvoll. Leichtfüßig. Effizient.

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