Energiekrise: Gazprom: Sahra Wagenknecht & die unbequeme Wahrheit

Die Zeiten der deutsch-russischen Energiepartnerschaft sind längst vorbei. Währenddessen verzeichnet Russlands Gasexporteur trotz der europäischen Wirtschaftssanktionen hohe Rekordgewinne. Die unbequeme Wahrheit spricht Sahra Wagenknecht aus. Eine Analyse von Gabor Steingart.

Es sei „bescheuert“ gewesen, gegen den wichtigsten Energielieferanten einen Wirtschaftskrieg vom Zaun zu brechen, sagte dieser Tage Sahra Wagenknecht im Deutschen Bundestag, was ihr jede Menge Ärger einbrachte. Hier die entscheidende Passage ihrer Rede:

Natürlich ist der Krieg in der Ukraine ein Verbrechen. Aber die Vorstellung, dass wir Putin dadurch bestrafen, dass wir Millionen Familien in Deutschland in die Armut stürzen und dass wir unsere Industrie zerstören, während Gazprom Rekordgewinne macht – ja wie bescheuert ist das denn? Preiswerte Energie ist die wichtigste Existenzbedingung unserer Industrie.

Sahra Wagenknecht © imago

Fakt ist: Es gibt seit dem Überfall der russischen Armee auf die Ukraine unfassbar viele Verlierer: Rund 40.000 Tote, sagen die Vereinten Nationen, mehr als sieben Millionen Flüchtlinge, meldet der UNHCR und auch die deutsche Volkswirtschaft, die jetzt vor dem kommenden Winter bibbert, darf zu den Verlierern gezählt werden.

Allerdings – und da hat Sahra Wagenknecht ihren Punkt – einen Überraschungsgewinner gibt es auch, den es in der Theorie der westlichen Wirtschaftssanktionen gar nicht geben dürfte: die russische Firma Gazprom. Eine solche Blüte hat dieses Unternehmen noch nie erlebt. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 wurde der Rekordgewinn vom Vorjahr bereits überboten.

Eine Infografik mit dem Titel: Gazprom: Die Gewinnmaschine

Umsatz, Gewinn und Dividendenausschüttung von Gazprom im Jahr 2021 und Prognose für 2022, in Euro

Hier die betriebswirtschaftlichen Fakten:

  • Gazprom kontrolliert die Gaswirtschaft Russlands und ist weltweit der größte Gasexporteur.

  • Das Unternehmen zeichnet für rund 85 Prozent der russischen Erdgasförderung verantwortlich, was rund einem Fünftel der weltweiten Förderung entspricht.

  • In Russland ist Gazprom mit rund 470.000 Beschäftigten der größte zivile Arbeitgeber.

  • Der russische Staat hält 50 Prozent und eine Aktie an dem Unternehmen und im Aufsichtsrat die Mehrheit der Sitze.

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