Interview mit Marina Owsjannikowa : "Geht auf die Straße, sie können uns nicht alles verbieten."

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Am 14. März wurde die Live-Nachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens unterbrochen: Marina Owsjannikowa protestierte mit einem "No War"-Plakat gegen die Propaganda und den Ukrainekrieg. Die Bilder gingen um die Welt. Ein Gespräch über ihre Beweggründe und wie es für sie jetzt weitergeht.

Wir alle haben Sie in einer Live-Nachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens Channel 1 gesehen, wo Sie mit einem Antikriegsplakat ins Bild platzten und die Propaganda, die Sie gerade in Russland erleben, als Lüge bezeichneten. Wann haben Sie beschlossen, diese Aktion zu unternehmen?

Marina Owsjannikowa: Wissen Sie, die Entscheidung, im Fernsehen zu protestieren, entstand spontan. Ursprünglich wollte ich wie alle Russen mit Plakaten auf denen “Kein Krieg” steht zu einem großen Platz in Moskau laufen. Aber die Behörden hatten ein Paket strenger Gesetze verabschiedet, die zu 15 Jahren Gefängnis führen können.

Ich habe persönlich gesehen, wie Menschen, die auf den Protestplatz kamen, sofort verhaftet, in Polizeiwagen geworfen und direkt zum Gericht gebracht wurden. Mir wurde klar, dass der Protest wirkungslos bleiben würde. Da entstand der Wunsch, in einer Live-Sendung zu protestieren.

Doch der eigentliche Wunsch zu protestieren, der Wunsch, nicht mit der Informationspropaganda, die auf allen unseren Fernsehbildschirmen ausgestrahlt wurde, einverstanden zu sein, entstand einfach, aber er wurde im Laufe einiger Jahre immer stärker. Seit vielen Jahren werden unsere Behörden immer verrückter: Sie haben die Wahl der Gouverneure abgesagt, sie haben unabhängige Medien zerschlagen, diese Geschichte mit der Gründung der Volksrepubliken, die Vergiftung von Nawalny.

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