US-Politik: Trump: Schlitzohr & Stratege

Nach der Wahlniederlage scheint Donald Trump von seiner politischen Energie nichts eingebüßt zu haben. Wie er sich von den anderen Verlierern unterscheidet, analysiert Gabor Steingart.

Die Befassung deutscher Medien mit dem Phänomen Donald Trump ist meist oberflächlich und deshalb unseriös. Es gilt als unschicklich, in ihm mehr zu sehen als einen TV-Entertainer und politisierten Egomanen. Für die Mehrzahl der Journalisten gibt es hier nur Düsternis und Verdammnis, keine Leistungen, keine Talente, nirgends.

Doch mit dem Blick des publizistischen Eiferers wird man Trump und der Wirklichkeit nicht gerecht. Es war der Ausnahmejournalist Sebastian Haffner, der es bis zur Meisterschaft verstand, selbst einem Massenmörder wie Hitler nicht alle Leistungen und Erfolge abzusprechen und so in „Anmerkungen zu Hitler” ein Fundament dafür schuf, dass das Phänomen Hitler versteh- und gedanklich begehbar wurde. Er hatte ihm – welch eine Provokation – eigens das Kapitel „Leistungen” gewidmet, wo er die „außerordentlichen Leistungen und seine noch erstaunlicheren Erfolge” beleuchtete.

Sebastian Haffner © imago

Unabhängigkeit in der Analyse – das war Haffners Grundverständnis – darf nicht als Zuneigung interpretiert werden, auch wenn das Hantieren mit Klischees vielen Zeitgenossen leichter fällt als das Arbeiten entlang der Fakten. Die Fakten haben den Nachteil, dass sie oft widersprüchlich sind. Das Klischee ist – zumal im öffentlichen Streit – deutlich handlicher. Womit wir wieder bei Donald Trump wären, der trotz Wahlniederlage und strafrechtlicher Verfolgung nichts von seiner politischen Energie eingebüßt zu haben scheint. Normalerweise verschwinden Politiker nach Wahlniederlagen – siehe Martin Schulz, siehe Armin Laschet, siehe auch Hillary Clinton – in der Kulisse. Dort bleiben manche von ihnen Teil der öffentlichen Debatte. Aber Teil des Machtspiels bleiben sie nicht.

Eine Infografik mit dem Titel: Trump: Stabile Zustimmung

Durchschnittliche Zustimmungswerte zu Ex-US-Präsident Donald Trump, in Prozent

Es sind im Wesentlichen sechs Gründe, die Donald Trump von anderen Verlierern unterscheiden:

Lädt...