Sicherheitspolitik der USA: Alte Nato, neue Quad

Sein jüngster Besuch zeigt, dass Joe Biden die Asien-Politik seiner Vorgänger forciert. Warum die USA trotz des Ukrainekrieges künftig ihre Sicherheitsinteressen zulasten Europas nach Asien fokussieren – und was das für die europäische Außenpolitik bedeutet, erläutert USA-Experte Josef Braml.

US-Regierungen jeglicher parteipolitischer Couleur haben es in der Vergangenheit nicht vermocht, die Nato gegen den Widerstand der Europäer zu globalisieren, sprich nach Asien zu orientieren. Die Biden-Regierung wird die Hauptverantwortung für die alte Nato nun den Europäern selbst überlassen – trotz der Bedrohung durch die „Regionalmacht“ Russland und des offensichtlichen Schutzbedürfnisses europäischer Regierungen. Denn Washingtons Hauptinteresse gilt künftig noch mehr der Zukunftsregion Asien und der Bedrohung durch den Hauptrivalen China.

Amerikas Abwendung von Europa und seine „Hinwendung nach Asien“ wurde schon von Donald Trumps demokratischem Vorgänger Barack Obama eingeläutet. Und Obamas damaliger Vizepräsident Joe Biden führt diesen Kurs nun umso entschiedener fort, um dem Rivalen China zu begegnen, der in Ostasien Washingtons Hegemonie herausfordert. Amerikas Anspruch, trotz zunehmend knapper werdender Ressourcen eine Weltordnung amerikanischer Prägung aufrechtzuerhalten, dürfte die innerlich geschwächte Weltmacht dazu verleiten, künftig Europas Sicherheitsinteressen noch mehr zu vernachlässigen.

Mit Chinas Aufstieg geriet das gute alte Europa ins Hintertreffen und die Zukunftsregion Asien-Pazifik ins Zentrum amerikanischer Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen.

Washington will in jedem Fall verhindern, dass ein möglicher Rivale den USA die See- oder Lufthoheit im eurasischen Raum streitig macht und wirtschaftliche Aktivitäten der USA unterbindet oder ihnen den Zugang zu Ressourcen verwehrt.

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