Gastbeitrag von Thomas Jäger: China auf der Überholspur

Während China langsam aber sicher zur größten Wirtschaftsmacht heranwächst, versucht die USA dies durch Investitionen und Sanktionen zu unterbinden. Die EU hadert derweil mit ihrer eigenen Identität und inneren Geschlossenheit – eine überzeugende Handlungsstrategie scheint nicht in Sicht.

Jahrzehntelang wuchs die chinesische Wirtschaft im Rahmen der amerikanisch geprägten internationalen Ordnung und baute parallel seine militärischen Fähigkeiten aus, ohne damit offensiv zu drohen. China schien eine aufstrebende Macht zu sein, die nach und nach die Normen des internationalen Austauschs akzeptiert. Wo Regeln gebrochen wurden, schien dies der nachholenden Modernisierung geschuldet.

Inzwischen betrachtet die chinesische Führung das Land als stark genug, um diese Normen und Regeln neu bestimmen zu können. China beansprucht, die internationale Ordnung zu gestalten. Aus der aufstrebenden Wirtschaft ist eine revolutionäre Macht geworden.

Schon die Handelskonflikte der letzten Jahre, unter der Präsidentschaft Trump, die ständig weiter eskalierenden Scharmützel im süd- und ostchinesischen Meer und die Rivalität um den effektivsten Umgang mit der Pandemie und den daraus erwachsenden Respekt erschütterten die internationale Ordnung.

Mit der faktischen Übernahme Hongkongs und dem immer lauteren Griff nach Taiwan sowie der Einkreisung Indiens deutet sich das Machtbeben an, auf das sich die chinesische Führung gerade vorbereitet. Die Reihen im Innern werden immer fester geschlossen; die Ansprüche nach außen immer fordernder vorgetragen.

 © ThePioneer

In den USA wurde jahrelang darum gestritten, wie China zu begegnen sei. Dass das Land zum Rivalen aufsteigen werde, wurde schon vor fast fünfzig Jahren prognostiziert. Da bestand die Sowjetunion noch und der Konflikt um internationale Normen und Regeln wurde ideologisch und militärisch ausgetragen.

China, in der Verbindung von Parteidiktatur und halboffenen Märkten schien weniger gefährlich. Manche sahen das Land sogar auf dem Weg in eine offene Gesellschaft, weil die Märkte über die Diktatur siegen würden. Andere sagten die jetzt offensichtliche Herausforderung der USA voraus.

Erst spät ließen sich die USA darauf ein und das auch erst einmal äußerst ungeschickt. Indem Präsident Trump China nicht weiter isolierte, wie es zuvor mit den Handelsabkommen TTP und TTIP – das eine schon ausverhandelt, das andere zumindest auf dem Weg – versucht wurde, sondern die amerikanischen Verbündeten in Asien und Europa verprellte, verbesserte er die chinesische Ausgangslage. Den Handelskrieg mit den USA brauchte China dann nicht mehr zu scheuen und nahm ihn an.

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