Gastbeitrag von Frans Timmermans und Josep Borrell: Das Zusammenspiel von Geopolitik und Klimawandel

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Der Anteil der erneuerbaren Energien am europäischen Energiemix wird kontinuierlich ausgebaut. Mit dieser Entwicklung geht auch eine geopolitische Veränderung einher, da die EU künftig weniger von Energieimporten abhängig sein wird.

Die Europäische Union ist der Welt-Klimapionier. Erst kürzlich haben sich das Europäische Parlament und die europäischen Regierungen auf das Europäische Klimagesetz geeinigt, mit dem unser Ziel der Klimaneutralität als Gesetz verankert wird. Mit dem Green Deal als Wachstumsstrategie und dem Ziel, die Emissionen bis 2030 um mindestens 55 % zu reduzieren, ist die EU auf bestem Wege, bis 2050 klimaneutral zu werden. Damit ist Europa nicht allein: Mehr und mehr Länder intensivieren ihre Dekarbonisierungsziele.

Auch bei verschiedenen Treffen mit John Kerry, dem Klimabeauftragen des US-Präsidenten, hat sich bestätigt, dass die EU und die Vereinigten Staaten nun erneut eng zusammenarbeiten, um eine internationale Koalition zu bilden. Mit dem Ziel die Ambitionen zum UN-Klimagipfel COP26, der im November dieses Jahres in Glasgow stattfindet, deutlich zu erhöhen.

Wir haben keine Zeit zu verlieren. Ohne aktives Gegensteuern würde der Klimawandel zu verheerenden Dürren, Hungersnöten und Überflutungen führen und unzählige Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. Die Folgen wären weitere Migrationswellen und verschärfte Konflikte um Wasser, Ackerland und natürliche Ressourcen.

Allen, die die erheblichen Investitionen kritisieren, die zur Bekämpfung des Klimawandels und des Verlusts der biologischen Vielfalt erforderlich sind, möchten wir sagen: Untätigkeit würde uns schlichtweg noch teurer zu stehen kommen.

Der Klima- und der Biodiversitätskrise entgegenzuwirken, wird allen zugutekommen – durch bessere Arbeitsplätze, höhere Luft- und Wasserqualität, weniger Pandemien und durch Verbesserungen der Gesundheit und des Wohlbefindens. Dennoch werden die anstehenden Änderungen, wie jeder umfangreiche Wandel, manche verärgern und andere begünstigen - und damit für Spannungen innerhalb von und zwischen Ländern sorgen. Bei dem Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft mit Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien statt auf fossilen Brennstoffen dürfen wir geopolitische Auswirkungen nicht ausblenden.

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Insbesondere wird sich mit dem Übergang eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse von denjenigen, die fossile Brennstoffe kontrollieren und exportieren, zu denjenigen vollziehen, die über Expertise im Bereich umweltverträglicher Zukunftstechnologien verfügen. So wird die allmähliche Abkehr von fossilen Brennstoffen die strategische Position der EU erheblich verbessern, nicht zuletzt, da wir weniger von Energieimporten abhängig sein werden. 2019 belief sich der Importanteil bei Erdöl auf 87 % und bei Gas auf 74 %, und wir haben auf fossilen Brennstoffen beruhende Erzeugnisse im Wert von 320 Mrd. EUR importiert.

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