Internationaler Währungsfonds: Defizitäre Kapitalkontrollen

Welche Neuerungen gibt es im Regelwerk des Internationalen Währungsfonds bei grenzübergreifenden Finanzströmen und welche Auswirkungen haben diese? Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz formuliert Antworten auf diese Fragen in seinem Gastbeitrag.

Das überarbeitete Regelwerk des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Steuerung grenzübergreifender Finanzströme, das im vergangenen Monat vom Exekutivdirektorium des IWF verabschiedet wurde, weitet die Umstände aus, unter denen Länder Kapitalzuflüsse beschränken können.

Leider schränkt es die Länder zugleich übermäßig in ihrer Handlungsfähigkeit ein und versäumt es, sich mit den unzähligen realweltlichen Kontexten auseinanderzusetzen, in denen die angebotenen IWF-Ratschläge angemessen bzw. unangemessen sind.

Während also volatile Kapitalflüsse bereits eine laufende Herausforderung für viele Schwellen- und Entwicklungsländer darstellen, verringert das Regelwerk die Optionen dieser Länder zum Erreichen ihrer sozialen Ziele und könnte die Weltwirtschaft letztlich instabiler machen.

Inside IWF: Blick auf die Frühjahrstagung 2012 © imago

Laut dem vorherigen, 2012 verabschiedeten, als „Institutional View“ (IV) bezeichneten Regelwerk des IWF waren Kontrollen in Bezug auf Kapitalabflüsse nur dann legitim, wenn sich ein Land in der Krise befand, und Kontrollen in Bezug auf Kapitalzuflüsse sollten nur als letztes Mittel genutzt werden, wenn ein Land eine Flutwelle an ausländischem Geld erlebte.

Der IV war ein politischer Kompromiss.

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