Gastbeitrag von Joschka Fischer : Deutschland hat Aufbruch gewählt

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Ex-Vizekanzler Joschka Fischer über den Wunsch der Deutschen nach Stabilität und Kontinuität, den Umbau der Parteienlandschaft und die Auswirkungen der Bundestagswahl auf Europa

Deutschland hat gewählt, und damit werden die 16 Jahre der scheinbar ewigen Bundeskanzlerschaft von Angela Merkel endgültig Geschichte. Dies ist bisher die einzige Gewissheit, die der Wahlabend gebracht hat. Alles andere bleibt im Ungefähren, das es zu entschlüsseln gilt.

Die Deutschen sind, anders als ihre linksrheinischen Nachbarn, keine Revolutionäre. Erneut haben dies die letzten Bundestagswahlen bewiesen.

Deutschland wird auch weiterhin aus der Mitte heraus regiert, was sich aufgrund seiner Geschichte, geopolitischen Lage in der Mitte Europas und seiner kritischen Größe fast schon als eine notwendige Konstante erweist, während die extremen Ränder links und rechts geschwächt wurden.

Stabilität und Kontinuität des politischen Systems sind bleibende und offensichtlich hoch angesehene Werte bei der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger. Deshalb hätten sie auch Angela Merkel, so sie denn ein weiteres Mal angetreten wäre, wiedergewählt.

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Zugleich war sich dieselbe Mehrheit aber der Tatsache bewusst, dass es mit Merkels Politik des „Auf-Sicht-Fahrens“, des Abwartens und Zögerns und des völligen Verzichts auf jegliche strategische Vision für das Land und Europa nicht weitergehen konnte. Das Land brauchte einen Aufbruch, einen Neuanfang, und den hat es sich dann am vergangenen Sonntag auf fast schon schlitzohrige Weise auch gewählt, indem es sich vordergründig für Stabilität und Kontinuität entschieden hat.

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